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Blick in die Geschichte Nr. 150

vom 2. April 2026

Carlsruher Blickpunkt

Das Grabmal des Hoffaktors Ernst Friedrich Fein

von Peter Pretsch

 

Jahrzehntelang stand im Treppenhaus des Badischen Landesmuseums ein opulentes barockes Kunstwerk, das Grabmal des Durlacher Hoffaktors Ernst Friedrich Fein, das der seit 1729 als Hofbildhauer des Kurfürsten Karl Philipp von der Pfalz tätige Johann Paul Egell geschaffen hat.
 

Grabmal des Durlacher Hoffaktors Ernst Friedrich Fein

Fein hinterließ, wie die lange Inschrift in der Kartusche bezeugt, eine Frau und drei Kinder, die ihm dieses Grabmal stifteten. Das Schriftfeld wird flankiert von den weiblichen Allegorien der drei theologischen Tugenden Glaube (mit Kreuz), Hoffnung (mit Anker) und Liebe (mit Kind). Dazu kommen im Hintergrund eine Frau mit Hund als Allegorie der Treue und eine weitere, von der nur Gesicht und Haare zu sehen sind. Sie wird als Ehrlichkeit interpretiert. Das Grabmal wurde auf dem alten Durlacher Friedhof aufgestellt. Da es dort umgestürzt und stark beschädigt wurde, erfolgte die Überführung in den 1960er-Jahren in das Landesmuseum, wo es restauriert wurde und seine prominente Aufstellung fand. Derzeit ist es dort aber leider nicht ausgestellt.

Außer den Geburtsdaten verrät der Grabstein relativ wenig über den Beigesetzten. Die dezente Darstellung eines Handelsschiffs im unteren Teil des Epitaphs verweist auf seine Tätigkeit als Kaufmann mit internationalen Beziehungen. Die 1741 verfasste, gedruckte Leichenpredigt verrät aber mehr über ihn. Fein wurde 1679 in eine Kaufmannsfamilie hineingeboren. Sein Vater war wie sein Schwiegervater ebenfalls Handelsmann. Zunächst hatte Fein wohl eine unbeschwerte Kindheit und ging in Durlach aufs Gymnasium. Im Pfälzischen Erbfolgekrieg, als Durlach von französischen Truppen 1689 niedergebrannt wurde, musste er mit seinen Eltern über Pforzheim nach Stuttgart fliehen. Als Stuttgart 1691 ebenfalls kurz vor der Zerstörung stand, starb der erkrankte Vater und Ernst floh mit seiner Mutter über Lindau nach Basel. Dort ging er bei dem Kaufmann Franz Leißler in die Lehre, der ihm bereits nach halber Lehrzeit Handelsgeschäfte auf der Herbstmesse in Frankfurt am Main anvertraute. Dort wurde er von seinem Onkel, dem Bankier Ernst Friedrich Metz unterstützt, der mit ihm 1701 eine Reise nach Amsterdam und per Schiff nach Antwerpen unternahm. Damit war wohl auch die Grundlage für seine überregionalen Handelsbeziehungen gelegt, als er nach seiner Lehrzeit zu seiner Mutter nach Durlach zurückkehrte und mit dieser gemeinsam das Handelsgeschäft seines Vaters wiederaufbaute. 1704 heiratete er Elisabeth Katharina Henninger, mit der er elf Kinder bekam, von denen allerdings fünf bereits im Kindesalter und drei noch vor ihm starben.

Er selbst starb am 26. Juli 1741 wohl an einer Leberzyrrhose, wie nach den in der Leichenpredigt geschilderten Symptomen vermutet werden kann.

Fein war 1709 von Markgraf Karl Wilhelm zum Hoffaktor und 1728 zum Kammerrat ernannt worden und als solcher für die Finanzierung der Hofhaltung durch Darlehen, die Beschaffung von Luxusgütern und deren Grundstücksgeschäfte zuständig. Die Darlehen ließ er sich mit Zinseszins fürstlich zurückerstatten. 1731 wurde er als einer von vier Kaufleuten mit dem Salzhandel für die Markgrafschaft Baden-Durlach betraut. Noch kurz vor seinem Tod löste die vormundschaftliche Regierung für den jungen Thronfolger Karl Friedrich mehrere Schuldbriefe von ihm aus.

Zeichen seines Wohlstands waren außerdem sein repräsentatives Elternhaus am Durlacher Marktplatz, das er nach der Kriegszerstörung in barocker Neugestaltung wieder aufbauen ließ (heute Pfinztalstraße 29) und ein heute nicht mehr bestehendes Wohnhaus am Zirkel in Karlsruhe, das er 1724 von Obervogt Johann Christian von Günzer erworben hatte. 1723 war Fein an der Gründung der Fayencefabrik in Durlach beteiligt. Er unterstützte dort auch die Weinbauern am Turmberg. Nicht zuletzt konnte sich seine Familie die Beauftragung eines hochkarätigen Künstlers aus der Kurpfalz für sein Grabmal leisten, der sonst in der Markgrafschaft Baden-Durlach bis dahin noch keine Spuren hinterlassen hatte.

Dr. Peter Pretsch, Leiter des Stadtmuseums Karlsruhe i. R.

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