Menü
eService
Suche

Blick in die Geschichte Nr. 151

vom 19. Juni 2026

Carlsruher Blickpunkt

Die Hauptwache der Berufsfeuerwehr Karlsruhe

von Katja Förster

 

Die Anfänge der Berufsfeuerwehr Karlsruhe, die 2026 ihr 100-jähriges Jubiläum feiert, reichen bis 1891 zurück. Im Februar des Jahres starben bei einem Brand in der Seminarstraße zwei Personen, woraufhin die Stadtverwaltung durch das Städtische Hochbauamt im Hof der Gewerbeschule im Zirkel 22 eine ständige Feuerwache mit Wachlokal, Telefonzimmer und Remise mit Pferdestall errichten ließ. Wenig später wurden dieser noch die Aufgaben einer Rettungswache übertragen. Der primitive Bau, der von der Kreuzstraße zu erreichen war, wurde 1912 um ein Obergeschoss aufgestockt, so dass nun Mannschafts-, Geräte- und Krankenwagen im Erdgeschoss untergestellt und Aufenthalts-, Telefonraum, Schlafsaal mit zwölf Pritschen und Bad im Obergeschoss untergebracht waren. Schon während des Ersten Weltkriegs galten die räumlichen und hygienischen Verhältnisse der Feuerwache als inakzeptabel. Aber der Krieg und danach die Inflation machten einen Neubau unmöglich. Als die Stadt 1924 endlich erste dringliche Neubauprojekte in Angriff nehmen konnte, gehörte auch der Bau einer neuen Feuerwache dazu.
 

Foto, 4. Mai 2026

Der Standort sollte möglichst zentral im Stadtgebiet liegen. Man entschied sich für den stadteigenen Baublock, der von der August-Dürr-, Renck-, Mathy- und Ritterstraße eingefasst wurde und ausreichenden Platz für die Realisierung des von Stadtbaudirektor Friedrich Beichel ausgearbeiteten Entwurfs bot. Dieser sah die Hauptfeuerwache, ein Werkstattgebäude mit Steigturm und Hallen für städtische Pkws sowie entlang der Mathy- und der Ritterstraße je zwei Doppelhäuser mit insgesamt 32 Dienstwohnungen für die Feuerwehrmänner und ihre Familien vor. Die 53 Meter lange und 15 Meter breite Hauptfeuerwache erstreckte sich zehn Meter hinter der eigentlichen Bauflucht entlang der Ritterstraße. Ihr Hauptraum, der dem Gebäude bis heute sein Gepräge gibt, war die geräumige Fahrzeughalle mit sieben Toren, drei für den Hauptlöschzug mit Spritzen-, Leiter- und Gerätewagen, zwei für den Reservezug und zwei für die Krankenwagen. Im ersten Obergeschoss befand sich der Schlafsaal für die diensthabende Mannschaft, die bei Alarm über Rutschstangen direkt in die Fahrzeughalle gelangte. Im zweiten Obergeschoss gab es für Beamte der Feuerwehr noch weitere drei Dienstwohnungen. Der Werkstatttrakt war zum Hauptgebäude so angeordnet, dass ein 1.400 Quadratmeter großer Übungshof entstand, der mit einem Hydranten zum "Schulexerzieren" ausgestattet war. Am 26. September 1926 wurde die Anlage feierlich eingeweiht. Zwei Monate später, am 20. Dezember, wurde die Feuerwache von der Deutschen Feuerversicherungs-Vereinigung offiziell als städtische Berufsfeuerwehr anerkannt.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Hauptfeuerwache teilzerstört und bis Ende 1948 in Eigenleistung wiederaufgebaut. Aus Raum- und Hygienegründen entstand 1960 eine zweite Feuerwache, die Feuerwache West. 1979 wurde die Hauptfeuerwache an der Ritterstraße renoviert und 1981 die Feuerleitstelle modernisiert. Die Leitstellen von Stadt und Landkreis wurden 1999 zusammengelegt und, mit modernster EDV- und Kommunikationstechnik ausgestattet, im Untergeschoss des Landratsamts in der Beiertheimer Allee untergebracht.

2006 beschloss die Stadt den Neubau der Hauptfeuerwache und der Integrierten Leitstelle entlang der Wolfartsweierer Straße. Die beiden Gebäudekomplexe nach Plänen des Stuttgarter Architekturbüros Harder, Stumpfl, Schramm wurden in zwei Bauphasen von November 2013 bis April 2021 errichtet. Seit dem Auszug der Berufsfeuerwehr aus dem alten Komplex werden die ehemalige Hauptfeuerwache und das Werkstattgebäude von der Karlsruher Fächer GmbH als neuen Eigentümerin umgebaut und modernisiert. Die Arbeiten am Werkstatt- und Garagentrakt konnten bereits im Oktober 2024 abgeschlossen werden; er wird seitdem von der hauptamtlichen Rettungswache genutzt. Die Räume im Hauptgebäude, die ehrenamtlichen Organisationen aus den Bereichen Bevölkerungs- und Katastrophenschutz zur Verfügungen gestellt werden, sind zum Teil fertiggestellt und bezogen.

Dr. Katja Förster, Historikerin, Karlsruhe

-

Kopieren Kopieren Schreiben Schreiben