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Blick in die Geschichte Nr. 151

vom 19. Juni 2026

Biographie Hermann Stenz

 

Hermann Stenz wurde als uneheliches Kind in München geboren. Dem Sohn eines Zimmermanns blieb eine akademische Ausbildung verwehrt, weshalb er eine Ausbildung zum Dekorationsmaler absolvierte. Von August 1914 bis November 1918 diente er im Krieg. Mit dem Untergang der Monarchie und dem Aufstieg der SPD in die provisorische Regierung Badens stieg der Bedarf an politisch integren Kräften. Als aktiver Sozialdemokrat und Gewerkschafter geriet Stenz in den Blick von Adam Remmele, der ihn Anfang Dezember 1918 zum Sekretär der Landeszentrale der badischen Arbeiter- und Soldatenräte vorschlug. Diese war Resultat der Zentralisierung der Räte Ende November 1918 in Mannheim. Stenz erledigte dort schriftliche Arbeiten.

Remmele blieb entscheidend für die weitere Karriere von Stenz: Nach seiner Wahl zum Innenminister holte Remmele ihn als seinen persönlichen Referenten in die Behörde. Nach Remmeles Ernennung zum Kultusminister übernahm Stenz - 1930 zum Regierungsrat befördert - ein Referat in der Hochschulabteilung. Diese untypische Quereinsteiger-Karriere dürfte nicht nur hinter vorgehaltener Hand bei den konservativen Ministerialkollegen für Unmut gesorgt haben, sondern lockte auch rechtsextreme Hetzer an. Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) und Deutschnationale Volkspartei (DNVP) betonten unisono, dass Stenz nicht dem badischen Berufsbeamtentum angehöre, und nahmen ihn als Beispiel für die angebliche Parteipatronage der SPD im Staatsdienst.

Nach der Machtübertragung auf die NSDAP wurde Stenz am 10. März 1933 in Schutzhaft genommen und auf Grundlage des "Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums" aus dem Staatsdienst entlassen. Gemeinsam mit weiteren Sozialdemokraten wurde er am 16. Mai 1933 in einer Schaufahrt von Karlsruhe in das Konzentrationslager Kislau verbracht und so einer öffentlichen Demütigung preisgegeben. Als Dekorationsmaler restaurierte er dort das Fürstenbad im Schloss. Unbemerkt konnten Stenz und seine Mitgefangenen dort eine noch heute existierende Inschrift anbringen, die auf die Ausbeutung der Schutzhaftgefangenen hinweist. Im März 1934 wurde er schließlich gegen Abgabe einer Loyalitätserklärung entlassen, stand jedoch weiterhin unter der polizeilichen Kontrolle. Angesichts des gescheiterten Attentats vom 20. Juli 1944 und der daraufhin folgenden Verhaftungen floh Stenz über Schonach nach Dauchingen, wo er gesundheitlich schwer angeschlagen das Kriegsende erlebte. Politisch und beruflich rehabilitiert, leitete Stenz in Südbaden die Wiederaufbauabteilung und war seit 1947 auch für die Polizei verantwortlich. Nach seiner Pensionierung wurde Stenz, trotz seiner Schutzhaft und der andauernden Verfolgung durch die Nationalsozialisten, nur eine spärliche Wiedergutmachung zuteil.

Viktor Fichtenau, Historiker und Archivar

Ankunft der Sozialdemokarten im KZ Kislau, vermutlich gestellte Aufnahme der Schutzhäftlinge von SS-und SA-Leuten umringt; von links nach rechts: Hermann Stenz, Adam Remmele, Erwin Sammet, Ludwig Marum, Gustav Heller, Sally Grünebaum und August Furrer; Text auf der Rückseite des Fotos: "Die alte Spitze der Prominenten packen ihre Koffer, Karlsruhe 1933"

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