vom 18. September 2026
von Peter Pretsch
Im einst sogenannten Millionenviertel im Karlsruher Westend sticht das Bauwerk im Stil italienischer Palastarchitektur der Renaissance noch vor allem durch seine aufwendige Fassadenmalerei hervor. Diese sollte wohl explizit auf den Bauherrn verweisen, bei dem es sich um den damals national und international anerkannten Kunstmaler Gustav Schönleber (1851-1917) handelte, der als Professor an derAkademie der Bildenden Künste lehrte.
Als Malerfürst wollte er mit seinem in den Jahren 1888/89 vom Stuttgarter Architekten und Professor an der dortigen Baugewerkeschule Emil Otto Tafel erbauten Wohnsitz repräsentieren, ihn aber ebenso beruflich als Atelier und als Heimstätte für seine fünfköpfige Familie nutzen. In der Villa sollen aber auch rauschende Feste gefeiert worden sein. Dazu passen die Motive der Wandmalereien an der Fassade des Hauses, vor allem das überdimensionale Narrenschiff über dem Balkon an der Reinhold-Frank-Straße, das sein Kollege und Freund Wilhelm Volz entworfen hatte. Es basiert auf einer spätmittelalterlichen Moralsatire, das die Laster und Eigenheiten einer bunt gemischten Besatzung auf dem Weg in das fiktive Land Narragonien schildert und damit der Nachwelt den Spiegel vorhält. Schon in der Karlsruher Fastnacht der Kaiserzeit war das Narrenschiff daher in den Umzügen ein beliebtes Motiv gewesen und hat unlängst dem Festausschuss Karlsruher Fastnacht als Vorlage für einen Orden gedient. In der von den Karlsruher Architekten Albert Neumeister und Ernst Häberle herausgegebenen Architekturzeitschrift "Neubauten" von 1898 wurde das Wandgemälde als "Fahrt ins Wunderland" bezeichnet. Die dort abgebildeten Pläne und Fotografien zeigen die alte Raumaufteilung und Innenausstattung des Gebäudes, die heute nicht mehr vorhanden sind. Danach befanden sich Salon, Wohn- und Schlafräume der Familie im Erdgeschoss und Atelier- und Arbeitsräume des Künstlers in den beiden Obergeschossen, wobei sich das große Atelier über zwei Stockwerke zog. Im repräsentativen, reich mit exotischen Pflanzen bestückten Treppenhaus befand sich in einer Nische ein von einer Quellnymphe bekrönter Brunnen. Auch der Vorgarten am Eingangsportal in der Jahnstraße war üppig bepflanzt worden und Pflanzenranken zogen sich von dort über die gesamte Fassade.
Zehn Jahre nach dem Tod des Malerfürsten erwarb die 1843 in Karlsruhe gegründete Burschenschaft Teutonia das Gebäude, um hier ihr neues Verbindungshaus einzurichten. Bis 1935 wurden dort auch ihre Kneipp-Abende abgehalten. Das NS-Regime verbot allerdings in diesem Jahr alle Studentenverbindungen und in das Haus zog fünf Jahre später die Geheime Staatspolizei (Gestapo) ein, die hier politisch Andersdenkende vernahm und in dem eigens dazu umgebauten Keller folterte. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten wollte die Teutonia die ehemalige Schönlebervilla nicht weiter als Verbindungshaus nutzen. Sie vermieteten das Gebäude über sechs Jahrzehnte an die Hochschule für Musik, die nach dem Ausbau ihrer Bildungsstätten beim Schloss Gottesaue 2012 aus der alten Villa auszog. Mittlerweile war das Gebäude renovierungsbedürftig geworden und der aus 120 Mitgliedern bestehende Altherrenverein der Burschenschaft Teutonia musste insgesamt 1,5 Millionen Euro aufwenden, um das Haus wieder in einen akzeptablen Zustand zu bringen. Im Inneren erreichte das Architekturbüro Von Einsiedel eine denkmalgerechte Renovierung des historischen Treppenhauses, von Fenstern und Türen, Terrazzo- und Fliesenböden, Parkett und Dielen, Deckenmalereien und -verkleidungen und Stuck. Auch Maßnahmen an der Gebäudehülle zur Erhaltung der Wandmalereien wurden umgesetzt. Zudem wurde das Gebäude auch energetisch ertüchtigt und ein Aufzug eingebaut. 2017 waren die Renovierungsmaßnahmen abgeschlossen und die Teutonia konnten das Gebäude an die Kunstakademie übergeben, die hier Atelierräume für ihre Professoren und Professorinnen sowie eine Fotografie-Werkstatt und einen Seminarraum einrichtete.
Dr. Peter Pretsch, Leiter des Stadtmuseums Karlsruhe i. R.