Blick in die Geschichte Nr. 152
vom 18. September 2026
Biographie Theodor Mayer
Er war einst der herausragende Torhüter im Arbeiter-Fußball - und ist doch heute, auch bei seinem Ursprungsverein FV Grünwinkel, so gut wie vergessen. Theodor Mayer wurde am 27. September 1908 als erstes von sechs Kindern im Karlsruher Stadtteil Grünwinkel geboren. Er wuchs im Arbeitermilieu auf, das durch die Industrie und Gewerbe Grünwinkel mitprägte. Von früherster Jugend an fühlte er sich dem Fußballsport verbunden, den er beim FV Grünwinkel ausübte, der 1922 vom bürgerlichen DFB zur Fußballsparte des Arbeiter-Turn- und Sportbundes (ATSB) übergetreten war. Schon als Jugendlicher spielte der groß gewachsene Theodor Mayer als Torhüter in der 1. Mannschaft.
Der FV Grünwinkel gehörte zu den besten Mannschaften des Bezirkes drei (Großraum Karlsruhe) des ATSB. Durch seine glänzenden Leistungen wurde Theodor Mayer bald überörtlich bekannt. Er wurde zu Lehrgängen des ATSB eingeladen, die dazu dienten, eine spielstarke Bundesauswahl (Nationalmannschaft) zu bilden, da der Arbeitersport auch international organisiert war. Bis zu seinem Verbot 1933 trug der ATSB insgesamt 288 Länderspiele aus. Erstmals wurde Theodor Mayer beim Länderspiel am 10. Mai 1929 gegen die Schweiz in Augsburg eingesetzt, das souverän 8:0 gewonnen wurde. Wesentlich knapper ging es bei der Begegnung am 18. Mai 1929 zu, die für Theodor Mayer ein besonderes Ereignis war, weil sie vor 5.500 Zuschauern auf dem Platz des Karlsruher Fußballvereins (KFV) in seiner Heimatstadt Karlsruhe stattfand. Nach einem 1:2 Pausenrückstand gewannen die Deutschen noch mit 5:4.
In der Bundesauswahl lernte Theodor Mayer den Hamburger Erwin Seeler (Vater der späteren Nationalspieler Uwe und Dieter) kennen, der ein prägender Spieler im Arbeiter-Fußball, und dem er viele Jahre, auch nach seinem Karriere-Ende, freundschaftlich verbunden war. Im Zeitraum von 1929 bis 1931 bestritt Theodor Mayer in der Bundesauswahl insgesamt 14 Länderspiele. Der Höhepunkt seiner sportlichen Laufbahn war die Teilnahme an den 2. Arbeiter-Olympischen Spielen (die ersten hatten 1925 in Frankfurt stattgefunden) vom 19. bis 26. Juli 1931 in Wien. Die deutsche Mannschaft erreichte das Finale gegen Österreich. Trotz einer herausragenden Torhüter-Leistung von Theodor Mayer gewannen die Gastgeber mit 3:2.
Danach wechselte Theodor Mayer zum bürgerlichen Lokalrivalen FC Phönix Karlsruhe. Dieser spielte in der NS-Zeit in der Gauliga, der damals höchsten Spielklasse. Auch hier glänzte der ehemalige Auswahlspieler. Zu seinem Stammverein FV Grünwinkel hatte er in den Folgejahren allerdings kaum noch Kontakt. Theodor Mayer starb am 30. November 1993 in Karlsruhe.
Gernot Horn, Geschäftsführer des Badischen Turnerbundes (1970 - 2000), vielfacher Deutscher Ringtennismeister, Karlsruhe