StadtZeitung vom 18. Juli 2025
Pressebericht über das Pfinzgaumuseum
„Brummi, Monza und Milano“
Sonderausstellung zeigt Anteil von Durlacher Firma an Mobilität
Gleich am Eingang grüßt ein lebensgroßes Foto des Schauspielers Georg Thomalla, im Hintergrund winken die Zwillinge Jutta und Isa Günther („Das doppelte Lottchen“) von einem Werbeplakat. Die eigentlichen Stars im Pfinzgaumuseum sind allerdings keine Schauspieler: Sie tragen klangvolle Namen wie „Brummi“, „Monza“ oder „Milano“ – und sind motorisierte Zweiräder aus der Produktion der 1872 in Durlach gegründeten Traditionsfirma Gritzner. Ihnen hat das Museum in der Karlsburg seine aktuelle Sonderausstellung gewidmet, die in der vergangenen Woche eröffnet wurde.
Wer nun allerdings in den Räumen der Karlsburg eine reine Ansammlung von mehr oder weniger PS-starken Gefährten erwartet, wird beim Rundgang durch die Ausstellung schnell eines Besseren belehrt: Jede Menge Informationen sind rund um das halbe Dutzend originaler Zweiräder zusammengestellt, die die Besucher in die 50er Jahre zurückversetzen. Passend dazu ist das Ambiente in babyblauer Wandfarbe gehalten, mit schnörkeligen Schriftzügen. Eine Camping-Ecke beschreibt die erwachende Reiselust der Nachkriegszeit. Zudem wird mit etlichen „Fun Facts“ – wie dem Preis von sechs Mark für einen Führerschein Klasse 5 – die beginnende Massenmotorisierung thematisiert. Besonders ins Auge fallen allerdings die Werbetexte: So steht das „Touren-Moped mit der eleganten Note“ neben dem „Moped mit der Motorad-Seele“, und um die Ecke wartet „das vollwertige Rad für Kenner“ auf Betrachter. Zu ihnen zählte bei der Eröffnung auch Bürgermeister Dr. Albert Käuflein. „Die Namen waren klangvoll und das Design sehr ansprechend“, schilderte der Kulturdezernent und fügte hinzu: „Man gewinnt einen guten Einblick in Produktion, Vertrieb und Nutzung dieser Fahrzeuge“.
Den Anstoß für die Präsentation hatte der Erwerb einiger Mopeds aus der Sammlung von Holger Willms-Märtz gegeben, berichtete Dr. Ferdinand Leikam, Leiter der Historischen Museen der Stadt Karlsruhe. Aus dieser „großartigen Chance“ heraus entwickelte das Kuratoren-Team, zu dem auch Dr. Christiane Sutter und Saskia Baude zählen, die Sonderausstellung, die ein weniger bekanntes Kapitel in der Gritzner‘schen Firmengeschichte aufschlägt. Dabei hatte der renommierte Nähmaschinen- und Fahrradhersteller aus Durlach bereits 1903 die ersten Motorräder auf den Markt gebracht. Nach dem zweiten Weltkrieg lebte diese Tradition wieder auf, als 1953 die erste „Brummi“ mit stolzen 0,9 PS auf die Straßen kam. Für alle, die dem Rausch der Geschwindigkeit frönen wollten, so Christiane Sutter, gab es sogar Modelle mit bis zu 6 PS. Mit der Übernahme der Produktion der insolventen Mars-Werke aus Nürnberg brachten dann 1958 die Modelle „Monza“ und „Milano“ die allgemeine Italien-Sehnsucht zum Ausdruck. Doch bereits 1963 endete die Moped-Ära bei Gritzner, der Siegeszug des Automobils hatte die Zweiräder ins Hintertreffen gebracht.
Die Ausstellung „Brummi, Monza und Milano“ ist noch bis zum 18. Januar geöffnet. -eck-
Quelle: StadtZeitung | 18. Juli 2025
Weitere Informationen finden Sie während der Dauer der Ausstellung hier.