Blick in die Geschichte Nr. 147
vom 27. Juni 2025
Biographie Georg Friedrich Parrot
Georg Friedrich Parrot wurde am 5. Juli 1767 in der damals zum Herzogtum Württemberg gehörenden Stadt Mömpelgard (Montbéliard) geboren, wo sein Vater als Chirurg und Bürgermeister arbeitete. Er war das 18. und letzte Kind seiner protestantischen, französischsprachigen Eltern Marie Marguerite und Jean Jacques Parrot.
Nach dem Besuch des lokalen Gymnasiums schrieb er sich 1782 an der Hohen Karlsschule in Stuttgart ein. Obwohl ihm sein Vater das Medizinstudium nahegelegt hatte, wählte Georg Friedrich das Fach Ökonomie und betrieb daneben Physik und Mathematik. 1786, noch vor dem Diplomabschluss, entschied er sich, die Stelle eines Hauslehrers in der Normandie anzunehmen. Die Reise nach Frankreich führte über Karlsruhe; dort lernte er Susanne Wilhelmine Lefort kennen, die der verzweigten wohlhabenden Genfer Familie Lefort entstammte, und verlobte sich mit ihr. Aus naheliegendem Grund kehrte er bereits 1788 nach Karlsruhe zurück, wo er sich als Privatlehrer für Mathematik niederließ und nebenbei schriftstellerisch betätigte. 1792 soll ihn Markgraf Karl Friedrich zum Professor ernannt haben.
Im April 1789 heiratete das Paar. Im Jahr darauf wurde der erste Sohn Wilhelm Friedrich (1790-1872) geboren. Er studierte später in Dorpat Theologie und wirkte als Prediger in einer livländischen Gemeinde. Der zweite in Karlsruhe geborene Sohn Johann Jacob Friedrich Wilhelm (1791-1841) arbeitete nach dem Studium der Medizin u. a. als Armeearzt, bevor er 1821 Professor für Physiologie und Pathologie und zeitweise auch Rektor der Universität Dorpat wurde. Über seine Forschungsreisen, darunter die Krim, der Kaukasus und der Ararat, berichtete er in Buchform.
Nach dem frühen Tod seiner Frau 1794 verließ Georg Friedrich Parrot gemeinsam mit seinen Söhnen Deutschland Richtung Livland. Anfänglich wieder als Hauslehrer tätig, wurde er 1800 als ordentlicher Professor für Physik an die neu zu errichtende Universität Dorpat berufen. Dreimal übernahm er das Amt des Rektors dieser einzigen deutschsprachigen lutherischen Universität im Russischen Reich. 1801 erhielt er von der Universität zu Königsberg den Doktortitel für eine Dissertation zur Arzneikunde. Eine besondere Beziehung verband ihn mit dem russischen Kaiser Alexander I., Ehemann der badischen Prinzessin Luise. Als Georg Friedrich Parrot nach 25 Jahren Lehre emeritiert wurde, folgte er einem Ruf an die Russische Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg, die ihn bereits 1811 zu ihrem Mitglied gewählt hatte. Er starb am 8. Juli 1852 in Helsinki während einer Reise und wurde auf dem lutherischen Teil des Petersburger Smolensker Friedhofes beigesetzt.
Dr. Ludger Syré, Historiker, Fachreferent in der Badischen Landesbibliothek i. R.