Menü
eService
Suche

Blick in die Geschichte Nr. 147

vom 27. Juni 2025

Carlsruher Blickpunkt

Das Prinz-Max-Palais und die Familie Schmieder

von Konrad Krimm

 

Im "Talmi-Reichtum" des "Schmieder-Palais" habe sich Prinz Max von Baden "nie wohl gefühlt", berichtet Fritz Hirsch in seiner Karlsruher Baugeschichte. Der Prinz habe nach dem Tod seiner Mutter im Februar 1914 wieder an den Schlossplatz ziehen wollen. Hirsch musste es wissen, denn er sollte dieses "Prinzenpalais" (an der Stelle des heutigen Amtsgerichts) dafür modernisieren. Der Kriegsausbruch blockierte alle Pläne und Prinz Max wohnte mit seiner Familie bis zum Wegzug nach Salem 1919 im Palais in der Karlstraße.
 

Südostansicht des Prinz-Max-Palais, 2025

In der Karlsruher Öffentlichkeit hatte das "Prinz-Max-Palais" aber gleich beim Einzug des Prinzenpaars - Max und Marie-Louise von Hannover - im Jahr 1900 seinen bis heute gebräuchlichen Namen erhalten: Ansichtskarten zeigten das Prunkanwesen mit diesem Aufdruck. Da war das Gebäude schon fast zwei Jahrzehnte alt; 1881 stand der Rohbau, 1884 konnten der Bauherr, der Bankier und Industrielle August Schmieder, und seine Frau Pauline einziehen. Das Grundstück hatte zum Gelände des alten Langenstein'schen Parks gehört; dieser "Hirschgarten" war seit etwa 1860 mit Straßenquadraten und kleinen Bauparzellen überformt worden. Schmieder hatte seit 1876 acht Bauplätze und einen schon hochgezogenen Rohbau nach und nach erworben und dafür teilweise prozessieren müssen. Als sein Bau begann, galt für das Quartier die geschlossene Blockrandbebauung - umso mehr musste nun das von der Straße abgerückte Palais mit seinen Vorgärten ins Auge fallen.

Und das sollte es wohl auch. Denn die Geschichte der Familie Schmieder in Karlsruhe war nicht weniger abwechslungsreich als die Geschichte ihres Palais - und stand immer wieder im Blickpunkt der Öffentlichkeit. Christian Gottlieb Schmieder (1750-1827), aus dem Württembergischen eingewandert, machte mit seinem Verlag Furore, als er unter dem Schutz eines markgräflichen Privilegs preisgünstige "Raub"- bzw. Nachdrucke vor allem der Weimarer Klassiker auf den Markt warf. Dessen Bruder Gustav Schmieder (gest. 1837), Kaufmann und Stadtrat, erwarb mit einem Palais in der Langen Straße (Kaiserstraße), nahe beim Mühlburger Tor, das zu seiner Zeit einzige Gebäude in der Residenzstadt, das nicht dem Fürstenhaus gehörte und trotzdem einen stattlichen Giebel zeigen durfte: zwischen allen bürgerlichen Modellhäusern ein Sonderfall und Zeugnis enormen Selbstbewusstseins. Gustavs Erben, reich geworden im Waggonbau für die Badische Staatseisenbahn, verkauften das ungewöhnlich große Anwesen 1859 an das Kraichgauer Adelige Damenstift.

Südostansicht des Prinz-Max-Palais, um 1895

Zu dieser Generation gehörte auch August Schmieder (1824-1897). Zunächst hatte er wenig Glück: August übernahm 1845 von seinem künftigen Schwiegervater eine Brauerei, geriet bald in Konkurs, musste an die Brauerei Hoepfner verkaufen und schlüpfte nach Irrjahren wohl bei Verwandten in Schlesien unter. Sie verhalfen ihm zu einem rasanten Aufstieg. Im Spekulationsfieber der "Gründerzeit" nach 1871, in der Organisation kurzlebiger Firmen und Aktiengesellschaften besetzten die schlesischen Schmieders im schnellen Wechsel Aufsichtsratsposten und Direktionen. Die Gewinne in Breslau und Oberschlesien waren so groß, dass August als "ehemaliger Generaldirektor der Schlesischen Gesellschaft für Bergbau- und Zinkhüttenbetrieb" 1877 dem Landrat von Beuthen eine Spende über 30.000 Mark für soziale Wohltaten übergeben konnte - in den Zeitungen reichsweit berichtet.

Im selben Jahr liquidierte in Karlsruhe die "Rheinische Baugesellschaft"; sie hatte seit 1872 die Bauquadrate um das spätere Palais herum erfolgreich vermarktet. Zum Vorstand gehörte kurze Zeit auch der "Kaufmann Schmieder" - August? Wohl eher ein Bruder, der ihm so die Bahn für die Rückkehr glättete. Und dieser Wiedereinzug in Karlsruhe war triumphal. Denn der Architekt für das Palais, der schon für die Rheinische Baugesellschaft die Fassaden zur Langen (Kaiser)Straße an der Ecke zur Karlstraße entworfen und für den Schmieder-Clan Villen am Stadtrand gebaut hatte, hieß Josef Durm, Baudirektor und Star seiner Epoche.

Prof. Dr. Konrad Krimm, Archivdirektor a. D., Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für geschichtliche Landeskunde am Oberrhein

-

Kopieren Kopieren Schreiben Schreiben