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Blick in die Geschichte Nr. 149

vom 19. Dezember 2025

Carlsruher Blickpunkt

Einst die höchste Erhebung der Stadt

von Manfred Koch

 

Manche mit dem Zug in Karlsruhe Anreisende werden sich vor dem Bahnhof fragen, wieso sich hier in der flachen Rheinebene ein Hügel erhebt. Kenner der Stadtgeschichte wissen, er ist keine Laune der Natur, sondern ein historisches Monument der Daseinsvorsorge.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts galt es, für die wachsende Bevölkerung die Wasserversorgung auch in den höheren Wohnhäusern sicher zu stellen. Ein neuer Hochbehälter sollte die bestehenden im Durlacher Wald und am heutigen Archivplatz ersetzen. Statt eines technischen Bauwerks, wie der Mannheimer Wasserturm, schlug der Chef der Gas- und Wasserwerke Franz Reichard vor, einen Hügel über einem stählernen Behälter für 3,2 Millionen Liter Wasser anzulegen. Für diese Idee setzte sich Oberbürgermeister Wilhelm Lauter nachhaltig ein. Entstehen sollte der Hügel südöstlich des Tier- und Stadtgartens zu dessen Erweiterung. 1889 begannen die Bauarbeiten mit dem Aushub für die Aufschüttung des Hügels. Dabei entstanden der heutige Schwanensee westlich des Hügels und ein weiterer, der für den 1913 eröffneten Hauptbahnhof wieder zugeschüttet werden musste. Der Hügel überragte mit 153,6 Metern über NN den Marktplatz um 38,7 Meter.

1892 genehmigte der Bürgerausschuss die Mittel für die gärtnerisch-landschaftliche Gestaltung des Hügels. Ein Wegenetz führte zum Gipfel, den eine Burgruine mit Bergfried aus Steinen der 1892 abgebrochenen Festung Rastatt krönte. Am süd-westlichen Abhang entstand eine Felsenlandschaft (Alpinum) mit einem Wasserlauf, der in den Schwanensee mündete. Schon vor seiner Fertig-stellung war der Hügel zu einem beliebten Ausflugsziel geworden. Am Fuß des Hügels stand seit 1890 ein Schwarzwaldhaus mit Restaurant und einem Fahrradverleih für die bis 1896 um den See führende Radfahrbahn.  Nach dem Tod von Oberbürgermeister Lauter 1892 wurde der Hügel ein Jahr später ihm zu Ehren Lauterberg benannt.

Luftaufnahme ONUK 2007

Manche Vorfälle und Veränderungen erfuhr der Lauterberg seitdem. So hat das Kanonen-Salutschießen der Feuerwehr auf dem Lauterberg zu Geburtstagen von Kaiser und Großherzog im September 1900 nach 40-maligem Kanonendonner einen starken Erdrutsch ausgelöst. Bis 1902 blieb der Zugang zum Berg daraufhin gesperrt. Eben-falls Kanonendonner der im Zweiten Weltkrieg auf dem Gipfel stationierten Flugabwehr verursachte Risse im Fundament der Burgruine. Bombentreffer im Luftkrieg störten den Betrieb des Behälters nicht, zerstörten aber das Schwarzwaldhaus. An dessen Stelle eröffneten 1955 die bewirteten Milchterrassen. Der baufällige Bergfried wurde 1958/59 abgetragen und durch eine Aussichtsplattform ersetzt.

Im Jahr der Bundesgartenschau 1967 endete mit der Inbetriebnahme des Hochbehälters Luß in Durlach die Funktion des Reservoirs im Lauterberg. Es diente bis 1977 noch als Reservebehälter für den Stadtgarten und wurde dann zur Sicherung gegen Durchrostung mit Schaumbeton verfüllt. Zur Bundesgartenschau gab man das nach 1945 nur notdürftig restaurierte Alpinum samt den Zugangswegen auf. Seit 1983 existiert ein von der Ortsgruppe des Vogelschutzbundes eingerichteter Vogelschutzlehrpfad. 1997 fanden wieder Arbeiten zur Sicherung der Hänge und Wege sowie der Umfassungsmauern der ehemaligen Ruine auf dem Gipfel statt. Dort entstand 2023 um die Aussichtsplattform eine Kinderturnwelt.

Bis zur Eingemeindung Durlachs 1938 galt der Lauterberg als höchste Erhebung Karlsruhes. Seitdem überragt ihn der Turmberg mit seiner Höhe von 257,2 Metern deutlich.

Dr. Manfred Koch, Stadthistoriker Karlsruhe i. R.

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