Blick in die Geschichte Nr. 149
vom 19. Dezember 2025
Biographie Ruth Poritzky
Die Opernsängerin und Komponistin Ruth Poritzky wurde am 24. August 1902 in Berlin geboren und wuchs dort in einem jüdischen, musisch und musikalisch geprägten Elternhaus auf, ehe sie mit der Familie im Herbst 1915 nach Karlsruhe übersiedelte. Ihr Vater, der Schriftsteller Jakob Elias Poritzky, hatte ein Engagement als Dramaturg und Regisseur am Badischen Landestheater erhalten.
Ruth besuchte in Karlsruhe die „Höhere Mädchenschule“ am Lessing-Gymnasium. Außerdem absolvierte sie eine Gesangsausbildung im Sopran und lernte Klavier, Orgel, Gitarre, Laute und Harfe. Bereits als 19-jährige trat Ruth Poritzky am Landestheater Karlsruhe auf. Bald führte sie auch den Künstlernamen Ruth Porita, der möglicherweise an die italienische Oper angelehnt war. 1922 wurde sie Mitglied des Hessischen Landestheaters Darmstadt. Ende der 1920er-Jahre arbeitete Ruth Porita zudem als Musiklehrerin am angesehenen Munz’schen Konservatorium. Sie trat auch als eigenständige Sängerin auf, dabei begleitete sie sich häufig selbst auf der Laute oder der Davidsharfe. In den 1920er-Jahren gab sie zahlreiche Konzerte und wurde zu einer anerkannten Künstlerin und Teil der Karlsruher Kulturgesellschaft.
Dennoch wurde sie 1933 wie alle anderen jüdischen Künstlerinnen und Künstler vom öffentlichen Kulturbetrieb ausgeschlossen und verlor auch ihre Anstellung. Zur Sicherung ihres Lebensunterhalts gab sie privaten Musikunterricht in Gesang und mehreren Instrumenten. 1938 wurde sie Organistin der Jüdischen Gemeinde Karlsruhe, musste aber bald nach der Zerstörung der Synagoge beim Novemberpogrom in demselben Jahr eine Anstellung als Stenotypistin annehmen.
Am 22. Oktober 1940 wurde Ruth Poritzky gemeinsam mit ihrer Mutter Helene und deren beiden ebenfalls in der Eisenlohrstraße 22 wohnenden Schwestern Jenny Deborah und Henriette Ester Orzolkowski festgenommen und in das südfranzösische Lager Gurs deportiert. Die Schwestern starben in Gurs, Ruth und Helene Poritzky wurden im Jahr 1942 über das Durchgangslager Drancy bei Paris in das Vernichtungslager Auschwitz II (Birkenau) verbracht. Dort wurden sie unmittelbar nach ihrer Ankunft am 12. August 1942 ermordet.
Ruth Poritzky hat ab Mitte der 1920er-Jahre auch komponiert. Überwiegend vertonte sie Texte bekannter Autoren als Lieder mit Klavier-, Harfen- oder Lautenbegleitung, die sie auf ihren Konzerten selbst vortrug. Der musikalische Nachlass von Ruth Poritzky galt lange Zeit als verschollen. Vor wenigen Jahren wurden dem Stadtarchiv Karlsruhe von privater Seite Notenhandschriften der Komponistin übergeben.
Dr. Katrin Dort, Leiterin von Stadtarchiv und Historische Museen Karlsruhe