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Badische Neueste Nachrichten vom 10. Mai 2024

Pressebericht über das Pfinzgaumuseum

Frl. Knöpfle ist wieder da

Trotz Krankheit das blühende Leben: Karlsruher Kabarett-Legende witzelt mit ihrem Sohn im Pfinzgaumuseum

Von Isabel Steppeler

Karlsruhe-Durlach. Sie ist wieder da! "Aber halt am liebsten im Schlafanzug", sagt sie. Cordula Möhringer lässt ihr beliebtes Frl. Susi Knöpfle wieder frisch-fröhlich rumglucksen.

Die in Karlsruhe und darüber hinaus bekannte Bühnenfigur der Fleischereifachverkäuferin, die sich mit ihrer kleinen, aber feinen Herrenkapelle von 1998 bis 2020 in Hunderten kabarettistischen Auftritten in die Lachmuskeln ihres Publikums fachsimpelte, kapiert mal wieder gar nichts. Und weiß es natürlich trotzdem besser. Erst recht, wenn es um diese Hufeisen geht, die "do so falschrum hänge" im Pfinzgaumuseum. "Do fliegt doch ‘s Glück raus!" Überhaupt, diese ganzen Exponate: "Tomate...?!"

Zusammen mit ihrem Sohn Philip Mohila hat die Karlsruher Kabarettistin Aufnahmen für den Audioguide im Durlacher Pfinzgaumuseum gemacht.

Wenn das Pfinzgaumuseum in Durlach an diesem Sonntag von 11 bis 18 Uhr zum Museumsfest lädt, kann man ihr dabei zuhören. Nicht nur dann. Zehn von 100 Objekten, die das Museum anlässlich seines 100-jährigen Bestehens noch bis 15. September in seiner Jubiläums-Sonderschau "Durlach x 100" zeigt, bekommen in den Audioguides mit Susi Knöpfle eine wahrhaft neue Bedeutung.

Dass das nicht allzu ernst zu nehmen ist, versteht sich. Auch wenn Philip alias Dr. Saumärktler sich wirklich bemüht.

Nicht die Herrenkapelle springt Cordula Möhringer alias Susi in diesem Projekt zur Seite, sondern einer ihrer beiden Söhne – Philip Mohila, wie die Mutter geboren zum Herumalbern. Der 42-jährige Grafik-Designer, Vater eines elfjährigen Sohnes und Erzieher in der Kindertagesstätte an der Karlsruher Blücherstraße, hat früher schon Texte für die Programme von Frl. Knöpfle und ihrer Herrenkapelle geschrieben und sich um Marketing und die Pressearbeit gekümmert.

Vor einem halben Jahr war das Pfinzgaumuseum auf Philip zugekommen. Die stellvertretende Museumsleiterin Christiane Sutter ist eingefleischter Fan der Fleischereifachverkäuferin. "Die lacht schon, wenn ich nur Hajooo sag'", erzählt Cordula zu Hause am Küchentisch, dem Zentrum der kreativen Macht. Dort sitzt und wohnt auch die halbe „Herrenkapelle“, der Klarinettist und Cordulas Ehemann Reiner Möhringer (die andere Hälfte, der Pianist Uli Kofler, gehört nicht zur Familie).

Sutter regte also den Audioguide an. Zu diesem Zeitpunkt war es jedoch für die Kabarettistin gerade erst aus dem Tal ihrer schweren Erkrankung wieder bergauf gegangen. Philip hätte schwören können, dass sie ablehnt. Ausnahmsweise hat er sich in seiner Mutter getäuscht. Sie sagte: "Ja, aber nur mit Dir!", erzählt Cordula. "Ich saß hier im Schlafanzug und war sofort Fräulein Knöpfle", erinnert sie sich.

Und so ging es drauflos und es wurde schnell munter. Philip kam im tristen Januar immer dann, wenn es ging, nach Feierabend mit seinem Equipment an den Möhringer-Küchentisch. Man ging gemeinsam die Fotos der 100 Objekte durch, um eine Auswahl von zehn Stück zu treffen. Lange hat es nicht gedauert – an besonders müden Januar-Feierabenden auch mal befeuert von einem Schlückchen Prosecco – bis der Groschen fiel.

Dann startete Philip die Aufnahme und nach jeweils drei, vier Durchgängen war genug Material im Kasten. Herausgekommen sind zehn kurzweilige Audios, eine lustiger als die andere.

Das Schema: Eingangs versucht sich der Kunsthistoriker, Dr. Stephan Saumärktler, in einer elaborierten Objektbeschreibung. Weit kommt er nicht, denn Susi Knöpfle hat Einwände. "Moment, Moment, Herr Dr. Sauerdings, Sauschwänzle, halt emmol, stopp", fällt sie ihm ins Wort – und es geht hin und her.

"Wir haben Tränen gelacht. So viel, wie ich seit Jahren nicht mehr gelacht hab'", schwärmt Cordula. "Ich hatte Bauchmuskelkater am nächsten Tag." Und das tat so gut, sagen sie beide.

An diesem Tisch in der Sophienstraße war nämlich in den Monaten zuvor der Frohsinn dem Kummer gewichen. "Wir haben hier auch zusammen geweint", sagt Philip.

Ein Grund, warum Cordula Möhringer nicht mehr auf der Bühne steht, ist der Krebs. Unheilbar, aber durch Medikamente so gut stabilisiert, dass sich das Leben auch wieder von seiner schönen Seite zeigt. Den Humor habe sie ohnehin nie verloren. Selbst mit den OP-Schwestern habe sie ihre Scherze gemacht.

"Humor war immer ganz wichtig", erinnert sich Philip an seine Kindheit. Sein Bruder Sebastian sei noch "affiger" als er. Im Trio mit der Mutter haben sie früher Theaterstücke für die Verwandtschaft gemacht. Lieblingsfilm: "Im Himmel ist die Hölle los".

"Auf meiner Beerdigung wird ein Song daraus gespielt", sagt Cordula. Alles schon geplant: Martin Wacker soll die Grabrede halten, die Perücke von Frl. Knöpfle soll auf der Urne sitzen. "Das Kostüm ist eh’ vakumiert", sagt sie in ihrem typischen trockenen Ton, der zu ihren Pointen gehört.

Humor hilft, Galgenhumor auch, da sind sich die beiden einig.

Mit den Audios sei sie richtig aufgeblüht. So könnte es weitergehen, findet sie. Mit einem Podcast vielleicht, in dem man zusammen die BNN liest und sich mokiert. Hauptsache nicht auf die Bühne, zu viele Menschen. "Und am liebsten im Schlafanzug halt", sagt Cordula Möhringer. Und gluckst.

Quelle: Badische Neueste Nachrichten | Karlsruhe | KARLSRUHE | 10. Mai 2024

Service

Bis 15. September im Pfinzgaumuseum. Museumsfest am 12. Mai, 11 bis 18 Uhr.
 

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