Blick in die Geschichte Nr. 146
vom 28. März 2025
Carlsruher Blickpunkt
Grabsteine und Denkmäler auf dem Alten Friedhof
von Peter Pretsch
Der Alte Friedhof wurde 1781 für die Bevölkerung evangelischer Konfession und die Bewohner der benachbarten Tagelöhnersiedlung "Dörfle" angelegt, die bisher hinter der Konkordienkirche auf dem Marktplatz beerdigt worden waren und diente von 1804 bis 1874 Bürgerinnen und Bürgern christlicher Konfession als städtischer Friedhof.
Noch in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden nach Plänen der Architekten Friedrich Eisenlohr und Carl Küntzle die Friedshofskapelle (heute Simeonskirche) mit 17 Familiengrüften und die Gruftenhalle für 33 Grabstätten errichtet. Nach der Eröffnung des Hauptfriedhofes im selben Jahr wurden noch einzelne Personen bis 1882 hier begraben. Viele der hier auch im Feld bestatteten Persönlichkeiten wurden später auf den neuen Hauptfriedhof umgebettet, wie etwa Geheimrat Conrad Dietrich Stadelmann, der seit 1738 der vormundschaftlichen Regierung des Markgrafen Karl Friedrich angehört hatte, der Augenarzt und pietistische Philosoph Johann Heinrich Jung, genannt Jung-Stilling, der erste Oberbürgermeister von Karlsruhe Wilhelm Christian Griesbach oder der Zweiraderfinder Karl von Drais. Zudem entstand in der Nachkriegszeit auf dem Gelände des Alten Friedhofs eine Parkanlage mit Spielplatz und Kindergarten, der weitere Grabstätten zum Opfer fielen und die den Charakter des Friedhofs völlig veränderte. Dennoch vermitteln die noch vorhandenen ca. 70 Grabstätten und die Denkmäler ein Bild der Karlsruher Gesellschaft im vorindustriellen Zeitalter, die damals noch vom Adel, dem Militär und der Hof- und Staatsbeamtenschaft dominiert wurde. Die Denkmäler erinnern an die Revolution von 1848/49, den Theaterbrand von 1847 und den Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71.
Als Grundlage einer Onlinepräsentation diente eine Liste aller damals noch vorhandenen Grabsteine von 1959 im Stadtarchiv mit Lebensdaten der Begrabenen, Inschriften und Beschreibungen der Grabmäler. Sie erleichterte auch das Auffinden einzelner Grabmäler, deren Inschriften verwittert sind. Besonders hilfreich war die Edition des im Stadtarchiv vorhandenen historischen Gruftenbuchs, die der Geschichtslehrer Heinrich Thalmann mit Schülerinnen und Schülern der Friedrich-List-Schule vor einigen Jahren umgesetzt hat: Das Gruftenbuch Carlsruhe, Schüler recherchieren Biographien.
Völlig neu musste zu den nicht in Gruften bestatteten Personen recherchiert werden, von denen sich die meisten noch vorhandenen Grabmäler einzeln auf dem Platz befinden. Insgesamt ist der Zustand der Grab- und Denkmäler auf dem Alten Friedhof durch die Zeitläufte und Kriegseinwirkungen stark gezeichnet. Manche sind so beschädigt, dass sie auch durch eine Restaurierung nicht mehr hergestellt werden können. Immerhin konnten sie aber durch die nun vorliegende Dokumentation vollständig erfasst werden und sind dadurch für alle an der Karlsruher Stadtgeschichte Interessierte online recherchierbar, was auch zum Besuch des Alten Friedhofs vor Ort anregen soll.
Dr. Peter Pretsch, Leiter des Stadtmuseums Karlsruhe i. R.
Onlinepräsentation:
Grabdenkmale und Denkmale auf dem Alten Friedhof: https://stadtgeschichte.karlsruhe.de/alter-friedhof
Buchtipp:
Peter Pretsch: Das Haus Solms. Wohnsitz, Museum, Gästehaus, Bretten 2025. (= Häuser- und Baugeschichte. Schriftenreihe des Stadtarchivs Karlsruhe, Band 17), 12,80 Euro