Blick in die Geschichte Nr. 146
vom 28. März 2025
Biographie Eugen Geck
Der am 15. Oktober 1869 in Offenburg als Sohn eines Glasfabrikanten geborene Eugen Geck absolvierte nach dem Besuch der Oberrealschule in Reutlingen im väterlichen Betrieb von 1886 bis 1889 eine handwerkliche und kaufmännische Lehre. Danach arbeitete er in dem Familienbetrieb und sammelte auf Geschäftsreisen Erfahrungen in anderen Werkstätten. 1892/93 diente er als Einjährig-Freiwilliger bei einem Straßburger Infanterieregiment. Wie schon sein Vater, betrieb er eine intensive Parteiarbeit für die durch das Sozialistengesetz bis Ende September 1890 verbotene Sozialdemokratische Partei (SPD) und wurde als Mitglied des Offenburger Wahlvereinsvorstands 1890 zweimal zu Gefängnisstrafen verurteilt.
1898 erwarb die SPD den in Offenburg erscheinenden Volksfreund seines Onkels Ernst Adolf Geck als offizielles Parteiorgan und übertrug Eugen Geck die verlegerische Verantwortung für das seit 1899 in Karlsruhe erscheinende Blatt. Die Redaktion der Zeitung vertrat die revisionistische Ausrichtung der badischen SPD-Führung. Die Leitung des Volksfreunds gab Geck 1927 aus gesundheitlichen Gründen ab, blieb aber mit kommunalpolitischen Beiträgen journalistisch aktiv.
Seine Betätigung als Parlamentarier begann er 1905 mit der Wahl in den Bürgerausschuss der Stadt Karlsruhe, dem er bis 1908 angehörte, 1908 wurde er mit Wilhelm Kolb einer der beiden ersten sozialdemokratischen Stadträte. Dem Stadtrat gehörte er bis zu seinem Tode an und war zuletzt dienstältester Stadtrat. Sein Interesse widmete er hier besonders Finanzfragen und dem Sparkassenwesen. 1911 wurde Geck erstes SPD-Mitglied des Kreisrates. 1914 bis 1916 nahm Geck als Unteroffizier am Ersten Weltkrieg teil. Bei der Bildung des Karlsruher Arbeiter- und Soldatenrates am 12. November 1918 wurde er in dessen Vorstand berufen. 1919 bis 1921 gehörte Geck dann der Badischen Nationalversammlung bzw. dem Badischen Landtag an. Dort wirkte er maßgeblich an der Ausarbeitung der neuen badischen Gemeindeordnung mit. Im Karlsruher Kreis- und Ortsverband der SPD führte er zudem 1919 bis 1931 den Vorsitz.
Zu seinen Ehren berief Oberbürgermeister Julius Finter nach Gecks Tod eine Trauersitzung des Gemeinderats ein, der die Nationalsozialisten fernblieben. Auch als der amtierende Landtagspräsident Duffner ihm einen Nachruf im Badischen Landtag widmete, blieben die nationalsozialistischen und kommunistischen Abgeordneten fern. Die Nationalsozialisten benannten nach der Machtübernahme 1933 auch die ihm im Dammerstock 1929 gewidmete Eugen-Geck-Straße in Saarbrücker Straße um. Erst 1964 wurde in Oberreut wieder eine Straße nach dem verdienten Kommunalpolitiker und überzeugten Gegner der Nationalsozialisten benannt.
Dr. Manfred Koch, Stadthistoriker Karlsruhe i. R.