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Blick in die Geschichte Nr. 146

vom 28. März 2025

Karlsruhe 1944

Nazi-Gegnerinnen im Gefängnis an der Riefstahlstraße

von Brigitte und Gerhard Brändle

 

1944 waren im Karlsruher Gefängnis neun Frauen aus verschiedenen europäischen Ländern inhaftiert: Yolande Beekman, Andrée Borrel, Madeleine Damerment, Noor Inayat Khan, Vera Leigh, Sonja Olschanezky, Eliane Plewman, Diana Rowden und Odette Sansom. Sie hatten ihr Leben riskiert im Kampf gegen das mörderische NS-Regime. Sie gehörten zu einer britischen Spezialeinheit, der Special Operations Executive SOE, die nicht dem Geheimdienst oder dem Kriegsministerium unterstellt war, sondern direkt dem Kriegs-Kabinett. Sie kamen zwar aus verschiedenen Ländern, sprachen jedoch alle perfekt französisch. Sie absolvierten eine Ausbildung an Waffen und Sprengstoff, im Nahkampf und lautlosem Töten, sie lernten Fallschirmspringen, Kartenlesen und den Umgang mit Funkgeräten. Sie erhielten neue Identitäten mit fiktiven Lebensläufen und entsprechenden Ausweispapieren. Sie gehörten zu den 39 Frauen von über 400 Mitgliedern der "Sektion F" (Frankreich) der SOE. Verantwortlich für die "Sektion F" war die aus einer jüdischen Familie in Rumänien stammende Nachrichtendienst-Offizierin Vera Atkins.

 

Aufgaben der SOE

Die Aufgaben der SOE bestanden in Sabotageaktionen hauptsächlich in Frankreich und Jugoslawien, aber auch in Norwegen, in der Tschechoslowakei, in Polen und Griechenland sowie in der Unterstützung von dortigen Widerstandsgruppen. Sie organisierten Funkverbindungen und instruierten örtliche Widerstandskräfte im Gebrauch von Waffen und Sprengstoff.

 

SOE-Agentinnen waren aktiv

Die Mehrzahl der neun Frauen war schon vor ihrem Engagement bei der SOE politisch aktiv in der Résistance gegen die Nazis und bei der Fluchthilfe für britische Piloten, die 1940/41 über Frankreich abgesprungen waren bzw. abgeschossen wurden, und für jüdische und andere aus Deutschland geflohene Personen. Die Frauen haben noch etwas gemeinsam: Sie und ihr Widerstand gegen die Nazi-Terrorherrschaft sind in Karlsruhe fast nicht bekannt, auch wenig in deutschsprachigen Veröffentlichungen.

 

1943/1944: Verrat, Verhaftung, Verhör, Verschleppung

Die neun SOE-Agentinnen sprangen nach ihrer Ausbildung 1942 und 1943 mit dem Fallschirm über Frankreich ab oder wurden mit Lysander-Kleinflugzeugen der Royal Air Forces abgesetzt. Die meisten Frauen arbeiteten als Funkerinnen, d. h. sie führten von wechselnden Standorten und auf verschiedenen Frequenzen die Kommunikation zwischen London und in Frankreich operierenden Einheiten der SOE bzw. Résistance-Gruppen, die mit der SOE zusammenarbeiten. Oft ging es dabei um die Organisation der Versorgung der lokalen Résistance mit Waffen und Sprengstoff zum Kampf gegen die Nazi-Besatzer. Die Abwehrstelle, so die Bezeichnung der Gegenspionage der Wehrmacht, suchte die Standorte der Funkstationen und konnte Agenten in die SOE-Gruppen einschleusen. Im Durchschnitt betrug die Zeitspanne bis zur Entdeckung und Verhaftung der Frauen knapp fünf Monate: Durch Abhören des Funkverkehrs wusste die Abwehrstelle Ort und Zeit der Ankunft von Madeleine Damerment bei Angers so dass sie sofort verhaftet wurde; Andrée Borrel bliebt dagegen neun Monate unentdeckt, sie organisierte u. a. Sabotage-Aktionen gegen Trafo-Stationen für Hochspannungs-Leitungen und Kraftwerke zur Stromerzeugung, bis sie im Juni 1943 in die Fänge der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) geriet.

Die erste Station der SOE-Frauen nach der Verhaftung war das Gestapo-Hauptquartier in der Avenue Foch in Paris, wo sie verhört und gefoltert wurden. Danach verschleppten die Nazis sie ohne Anklage oder gar Urteil in sogenannte Schutzhaft in das Gefängnis Fresnes südlich von Paris und am 12. Mai 1944 von dort über die Gestapo-Zentrale in Paris mit dem Zug in das Gefängnis in Karlsruhe.

Odette Sansom (1912-1995), SOE-Agentin "Lise", Foto 1946

Verschleppung in das Gefängnis in Karlsruhe

Odette Sansom erinnerte sich an den 12. Mai 1944: "Man brachte uns zusammen von Paris nach Deutschland. Wir kannten uns nicht. Wir waren in England getrennt ausgebildet und zu verschiedenen Zeiten nach Frankreich geschickt worden. Auch in Fresnes [Gefängnis bei Paris] habe ich die Anderen nie gesehen, obwohl ich von einer einmal die Stimme hörte. … Wir waren alle jung und ganz verschieden voneinander, aber wir alle hatten von Anfang an die Überzeugung gehabt, dass wir nützlich sein könnten. … Ich freute mich auf die Fahrt [beim Abtransport aus Paris]. Ein Jahr hatte ich in meiner Einzelzelle verbracht und ich dachte, jetzt werde ich mit diesen Frauen zusammenbleiben. Wir kommen in dasselbe Lager. Nun, so war es nicht. Nachdem wir in Karlsruhe angekommen waren, habe ich die anderen nie mehr gesehen. Im Zug trugen wir Handschellen, jede von uns war mit einer anderen zusammengeschlossen, so dass wir uns nicht frei bewegen konnten, aber richtig schlecht ging es uns nicht. … Doch tief im Innern hatten wir große Angst. Wir fragten uns, was wohl als nächstes kommen würde… Waren wir auf direktem Weg in den Tod? Wurden wir in ein KZ gebracht oder wieder in ein Gefängnis - wohin würde man uns bringen? Wir wollten es uns gar nicht ausmalen. Unsere einzige Hoffnung war, zusammenbleiben zu können, wo auch immer. … niemand von uns hatte große Erwartungen - und uns war klar, dass uns die Deutschen einfach umbringen konnten. Aber trotzdem gibt es immer einen Funken Hoffnung, dass ein Wunder geschieht." Diese Hoffnung erfüllt - erfüllte - sich nur für Odette Sansom, nicht für ihre Mitkämpferinnen.

 

Das Gefängnis in der Riefstahlstraße: Wartesaal der Mordfabriken
 

Das Amtsgefängnis in der Riefstahlstraße, Postkarte vor 1914

Acht Frauen der SOE waren ab 13. Mai 1944 in Karlsruhe getrennt voneinander jeweils mit andern verurteilten Nazi-Gegnerinnen eingesperrt. Da es nicht erlaubt war "Schutzhäftlinge", also Nicht-Verurteilte, mit verurteilten Personen zusammen einzuschließen, forderte der Gefängnisdirektor von der Gestapo in Karlsruhe Instruktionen an. Gestapo-Chef Josef Gmeiner leitete die Anfrage weiter an das Reichssicherheitshauptamt in Berlin. Ergebnis dieses bürokratischen Vorgangs war die Anweisung aus Berlin, die Häftlinge in das nächstgelegene KZ zu bringen. Also wurden Andrée Borrel, Vera Leigh, Diana Rowden und Sonja Olschanezky am Morgen des 6. Juli 1944 in das Konzentrationslager Natzweiler-Struthof im Elsass verschleppt, wo die vier Frauen spät am Abend mit Phenol-Spritzen ermordet und ihre Leichen im Krematorium verbrannt wurden.

Gedenktafel auf dem Berg Semnoz bei Annecy

Von Karlsruhe in das Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück

Odette Sansom nimmt unter den Eingesperrten eine Sonderstellung ein: Sie hatte bei ihrer Festnahme im April 1943 in St. Jorioz bei Annecy behauptet, sie sei mit dem ebenfalls verhafteten Peter Churchill verheiratet und dieser sei mit dem britischen Premierminister Winston Churchill verwandt. Die Nazis glaubten ihr und wollten die beiden SOE-Agenten zum Gefangenen-Austausch benutzen. Deswegen verschleppten sie am 18. Juli 1944 Odette Sansom nicht in den Tod, sondern in das Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück, Peter Churchill in die Konzentrationslager Sachsenhausen, Flossenbürg und Dachau und von dort in das Straflager Innsbruck - beide überlebten.

 

Von Karlsruhe in das Konzentrationslager Dachau

Nach dem 18. Juli 1944 waren noch drei SOE-Frauen in der Riefstahlstraße eingesperrt. Am 10. August 1944 kam die in Isolationshaft im Gefängnis Pforzheim festgehaltene SOE-Agentin Noor Inayat Khan ebenfalls in das Karlsruher Gefängnis. Am 12. September 1944 deportierten die Nazis sie und Yolande Beekman, Eliane Plewman und Madeleine Damerment mit dem Zug ins Konzentrationslager Dachau. Am nächsten Morgen wurden die vier Frauen nach Misshandlungen durch Genickschuss ermordet und ihre Leichen sofort im Krematorium verbrannt.

 

1945 ff.: "…vor dem Vergessen bewahrt"?

Josef Gmeiner wurde 1945 gefasst und 1948 wegen Ermordung eines britischen Offiziers hingerichtet, die neun Frauen kamen beim Prozess 1947 nicht zur Sprache. Im sogenannten Natzweiler-Prozess 1946 in Wuppertal waren neun Personen wegen der vier Morde an den SOE-Agentinnen angeklagt: Drei Freisprüche, fünf Haftstrafen, nur der Lagerarzt Dr. Rohde, der die Ermordung eines Opfers zugab, wurde zum Tode verurteilt und in Hameln gehängt. Was als Konsequenz des Gerichtsverfahrens galt, nämlich: "Die Toten wurden vor dem Vergessen bewahrt", gilt für die Tafeln mit den Namen der ermordeten Widerstandskämpferinnen in den Konzentrationslagern Dachau und Natzweiler.
 

Ausführliche Biographien der neun Frauen (nur online)

Yolande Beekman ist 1911 in Paris als Tochter einer Engländerin und eines Schweizers geboren und wächst in London auf. Sie ist von Beruf Hutmacherin und verheiratet sich Anfang 1943 mit Jaap Beekman, einem niederländischen Offizier. Nach ihrer Ausbildung bei der SOE ab Februar 1943 wird sie im September 1943 mit einem Lysander-Kleinflugzeug bei Angers abgesetzt. Sie ist mit dem Decknamen "Mariette" Funkerin bei St. Quentin und auch verantwortlich für die Verteilung von Waffen und Sprengstoff, die britische Flugzeuge für die Résistance abwerfen. Sie wird am 15. Januar 1944 verhaftet, in den Gefängnissen Fresnes und Karlsruhe eingesperrt und am 13. September 1944 im Konzentrationslager Dachau ermordet.

Andrée Borrel ist 1919 geboren. Nach dem frühen Tod ihres Vaters arbeitet sie nach dem Schulabschluss in verschiedenen Jobs. Im Oktober 1939 zieht die Familie nach Toulon und Andrée schlägt sich nach Spanien durch, um aufgrund ihrer sozialistischen Weltanschauung für die Republik und gegen den Militärputschisten Franco zu kämpfen, muss jedoch feststellen, dass sie zu spät kommt. Ab 1940 arbeitet sie bei Perpignan in der Fluchthilfe-Organisation Pat O'Leary mit, die abgeschossene oder abgesprungene britische Piloten und jüdische und andere aus Nazi-Deutschland geflohene Personen nach Spanien rettet. 1942 geht sie nach London, erhält eine Ausbildung bei den SOE und arbeitet mit dem Decknamen "Denise" ab September 1942 als Kurierin des "Prosper"-Netzwerkes im Norden von Paris. Sie nimmt auch teil an Sabotage-Aktionen gegen Strom-Kraftwerke und andere Infrastruktur-Einrichtungen. Durch Verrat gerät sie am 24. Juni 1943 in die Fänge der Gestapo. Die Nazis verschleppen sie vom Gefängnis Fresnes bei Paris am 13. Mai 1944 nach Karlsruhe. Die Nazis ermorden sie am 6. Juli 1944 im Konzentrationslager Natzweiler durch eine Phenol-Spritze.
 

Madeleine Damerment ist 1917 in Lille geboren. Sie ist ledig und von Beruf Post-Angestellte. 1940/41 engagiert sich ihre Familie in der Résistance, Madeleine arbeitet in der Fluchthilfe-Organisation Pat O'Leary mit, die abgeschossene oder abgesprungene britische Piloten aus dem Norden Frankreichs über die Demarkationslinie in den noch nicht besetzten Südteil Frankreichs und von dort über die Grenze nach Spanien bringt. Durch Verrat kann die "Geheime Feldpolizei" der Wehrmacht ab Ende 1941 viele Mitglieder des Rettungsnetzwerkes verhaften, Madeleine gelingt die Flucht nach Großbritannien. Sie wird von den SOE ausgebildet, erhält den Decknamen "Solange" und springt Ende Februar 1944 mit dem Fallschirm in der Nähe von Chartres ab. Da die Gestapo in das Funknetz der SOE eingedrungen war, kann sie Madeleine sofort nach der Landung verhaften und in das Gestapo-Hauptquartier in Paris in der Avenue Foch bringen. Nach erfolglosen Verhören unter der Folter ist sie im Gefängnis Fresnes bei Paris und ab 13. Mai 1944 im Gefängnis Karlsruhe eingesperrt. Die Nazis ermorden sie am 13. September 1944 im Konzentrationslager Dachau.
 

Noor Inayat Khan ist 1914 in Moskau als ältestes von vier Kindern der Amerikanerin Ora Baker und des indischen Sufi-Geistlichen Hazrat Inayat Khan geboren. 1914 zieht die Familie nach London, 1920 nach Paris. In den dreißiger Jahren studiert Noor Khan in Paris Psychologie und Musik an Harfe und Klavier, sie veröffentlicht Gedichte und Erzählungen für Kinder und wirkt an Radio-Sendungen mit.

Nach dem Überfall der Nazi-Wehrmacht auf Frankreich flieht sie mit ihrer Familie nach London. Trotz ihrer pazifistischen Überzeugung tritt sie den WAAF (Women's Auxiliary Air Force), d. h. Frauenhilfskräfte der Luftwaffe, bei und arbeitet als Funkerin. Ihr perfektes Französisch veranlasst die SOE 1942, sie für den Einsatz in Frankreich anzuwerben. Im Juni 1943 bringt ein Lysander-Kleinflugzeug sie zusammen mit Diana Rowden in die Gegend von Angers. Mit dem Decknamen "Madeleine" und Ausweis-Papieren auf den Namen "Jeanne Marie Regnier" ist sie in Paris als Funkerin des SOE-Agentenrings "Prosper" aktiv, der mit der Résistance zusammenarbeitet. Die SOE-Zentrale erfährt, dass die Spionage-Abwehr der Nazis den Code der SOE entschlüsselt hat, und versucht, Noor Khan zurückzurufen. Sie weigert sich.

Der Verrat eines Doppelagenten ermöglicht am 13. Oktober 1943 ihre Festnahme. Bei den Verhören nennt sie keine Namen, doch findet die Gestapo bei ihr Funksprüche codiert und in Klartext. So kann die Abwehr verdeckt mit London kommunizieren und erfährt Ort und Zeit von geplanten Landungen weiterer SOE-Agentinnen, unter ihnen Madeleine Damerment und Sonja Olschanezky. Nach einem Fluchtversuch aus der Gestapo-Zentrale in der Avenue Foch zusammen mit dem SOE-Agenten John Starr und Leon Faye von der Organisation "Réseau Alliance" verschleppen die Nazis sie am 27. November 1943 ins Gefängnis in Pforzheim. Dort ist sie im Erdgeschoss in der Zelle Nr. 1 in Einzelhaft eingesperrt, an Händen und Füßen mit Ketten gefesselt, die nur zum Essen und Waschen abgenommen werden.

Sie wird von Wärtern misshandelt und am 10. September 1944 ins Gefängnis in Karlsruhe verschleppt. Zwei Tage später deportieren die Nazis sie zusammen mit Yolande Beekman, Éliane Plewman und Madeleine Damerment ins Konzentrationslager Dachau. Am nächsten Tag ermorden sie die vier Frauen nach Misshandlungen durch Genickschuss.
 

Vera Leigh ist 1903 in Leeds geboren. Von ihrer Mutter zur Adoption freigegeben, wächst sie als Adoptivkind des amerikanischen Ehepaares Leigh in Paris auf. Nach der Lehre in einem Modehaus macht sie sich mit Freundinnen mit einem Modeatelier selbständig. 1940 geht sie nach Lyon und engagiert sich in der Résistance und auch bei der Fluchthilfe für über Frankreich abgeschossene bzw. abgesprungene britische Piloten Richtung Spanien.

1942 kann sie über Spanien nach Großbritannien fliehen. Da sie perfekt zweisprachig ist, wird sie von der SOE angeworben, erhält den Decknamen "Simone" und springt im Mai 1943 bei Tours mit dem Fallschirm ab. Durch einen Verräter in den Reihen der SOE weiß die Gestapo von ihrer Ankunft und beschattet sie in Paris, um mehr Informationen über die Zusammenarbeit von SOE und Résistance zu erfahren.

Ende Oktober wird sie verhaftet, nach erfolglosen Verhören unter Folter ist sie im Gefängnis Fresnes bei Paris und ab 13. Mai 1944 im Gefängnis Karlsruhe eingesperrt. Die Nazis ermorden sie am 6. Juli 1944 im Konzentrationslager Natzweiler durch eine Phenol-Spritze.
 

Sonja Olschanezky ist 1923 in Chemnitz in einer jüdischen Familie geboren. Die Familie zieht 1930 nach Paris, wo Sonja das Gymnasium absolviert und eine Ballettausbildung erhält. Ab Sommer 1940 muss sie als Hausmädchen arbeiten, weil sie als Jüdin nicht mehr auftreten kann.

1940 arbeitet sie in der Résistance, bleibt unentdeckt, wird aber 1942 als nicht-französische Jüdin verhaftet und in das Lager Drancy verschleppt. Ihrer Mutter gelingt es, sie mit Bestechungsgeldern und gefälschten Papieren, die sie als "kriegswichtig" in einer Fabrik für Pelzmäntel, die für die Wehrmacht arbeitet, deklarieren, aus Drancy frei zu bekommen. Nach ihrer Freilassung sagt sie zu ihrer Mutter, sie habe das Gefühl, "etwas tun zu müssen, um uns zu verteidigen. Andere werden es nicht für uns tun. Wir müssen es für uns selbst tun."

1943 arbeitet sie mit in einem Ableger eines SOE-Agentenrings in Châlons-sur-Marne mit dem Decknamen "Tanja". Sie hat gefälschte Papiere auf den Namen "Suzanne Ouvrard", arbeitet als Kurierin und ist beteiligt an Sabotage-Aktionen, u. a. an der Sprengung eines Munitionszuges bei Melun südöstlich von Paris. Durch Verrat gelingt der Gestapo im Januar 1944 ihre Verhaftung.

Nach Verhören und Misshandlungen im Gestapo-Hauptquartier in der Avenue Foch in Paris, bei denen sie nichts aussagt, wird sie in das Gefängnis in Fresnes bei Paris und am 13. Mai 1944 in das Gefängnis Karlsruhe verschleppt. Die Nazis ermorden sie am 6. Juli 1944 im Konzentrationslager Natzweiler durch eine Phenol-Spritze.
 

Eliane Plewman ist 1917 als Tochter einer spanischen Mutter und eines englischen Vaters in Marseille geboren. Sie ist von Beruf Fremdsprachen-Korrespondentin und verheiratet sich 1942 in Großbritannien mit Tom Plewman.

Im Frühjahr 1943 wird sie aufgrund ihrer Sprachkompetenz von der SOE angeworben, ausgebildet und im August 1943 mit dem Fallschirm bei Lons-le-Saunier im Jura abgesetzt. Mit dem Decknamen "Gaby" und gefälschten Papieren auf den Namen "Eliane Jaqueline Prunier" arbeitet sie für den Agentenring "Monk" und versorgt im Großraum Marseille örtliche Résistance-Gruppen mit Waffen und Sprengstoff. Anfang 1944 ist sie an der Sprengung einer Eisenbahnlinie beteiligt, um Truppenbewegungen der Nazi-Wehrmacht zu be- bzw. zu verhindern.

Ende März 1944 wird sie von der Gestapo festgenommen, im Gefängnis Les Baumettes in Marseille verhört und misshandelt, dann in das Gefängnis in Fresnes bei Paris und am 13. Mai 1944 in das Gefängnis in Karlsruhe verschleppt. Die Nazis ermorden sie am 13. September 1944 im Konzentrationslager Dachau.
 

Diana Rowden ist 1915 in London geboren. Nach der Trennung ihrer Eltern geht sie mit ihrer Mutter und ihren Brüdern nach Südfrankreich. Nach einem Zwischenaufenthalt in Großbritannien lebt sie ab 1933 wieder in Frankreich, studiert an der Sorbonne und arbeitet als Journalistin. 1940 arbeitet sie beim französischen Roten Kreuz und flieht 1941 nach Großbritannien.

Anfang 1943 wird sie für die SOE angeworben, ausgebildet und im Juni 1943 mit Noor Inayat Khan mit einer Lysander bei Angers an der Loire abgesetzt. Sie arbeitet im Jura südöstlich von Dijon, hält Verbindungen zur Résistance und organisiert nächtliche Abwürfe von Waffen und Sprengstoff für die Résistance. Sie ist auch beteiligt an Sabotage-Aktionen gegen die Peugeot-Fabrik in Sochaux, die für die Wehrmacht produziert.

Vor drohendem Verrat durch einen Doppelagenten kann sie sich bei einer Familie bei Clairvaux-les-Lacs verstecken. Dort wird sie am 18. November 1943 von der Feldpolizei der Wehrmacht entdeckt und festgenommen. Über das Gefängnis in Lons-le-Saunier und die Zentrale der Gestapo in der Avenue Foch kommt sie nach Verhören in das Gefängnis in Fresnes bei Paris und am 13. Mai 1944 in das Gefängnis in Karlsruhe. Die Nazis ermorden sie am 6. Juli 1944 im Konzentrationslager Natzweiler durch eine Phenol-Spritze.
 

Odette Sansom ist 1912 in Amiens geboren. Sie verheiratet sich 1931 und zieht dann mit ihrem Mann Roy nach Großbritannien. Zwischen 1932 und 1936 werden drei Töchter geboren. Im Frühjahr 1942 wird sie wegen ihrer perfekten Zweisprachigkeit von der SOE angeworben und erhält eine Ausbildung zum Einsatz in Frankreich.

Ende Oktober 1942 geht sie mit einem kleinen Boot in der Nähe von Marseille an Land und arbeitet als Kurierin und Funkerin des SOE-Netzwerkes "Spindle" bei Cannes. Ab Anfang 1943 arbeitet sie mit dem Decknamen "Lise" mit Peter Churchill und dem Funker Adolphe Rabinovitch, einem in Moskau geborenen jüdischen SOE-Agenten, zusammen. Durch einen Doppelagenten werden sie und Peter Churchill am 16. April 1943 in St. Jorioz am Lac d'Annecy festgenommen. Sie behaupten, sie seien verheiratet und Peter Churchill sei ein Neffe des britischen Premiers Winston Churchill.

Bei Verhören durch die Gestapo in Paris gibt Odette Sansom keine Namen preis und wird im Gefängnis Fresnes bei Paris und ab 13. Mai 1944 im Gefängnis in Karlsruhe eingesperrt. Im Gegensatz zu den ebenfalls in Karlsruhe festgehaltenen SOE-Frauen wird sie nicht im Konzentrationslager Dachau bzw. Natzweiler ermordet, sondern am 18. Juli 1944 in das Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück verschleppt. Kurz vor der Befreiung des Lagers durch die Rote Armee nimmt der Kommandant Fritz Suhren Odette Sansom als Geisel und flieht mit ihr zu einer Einheit der US-Armee. Er gibt sich als Beschützer von Odette Sansom, die mit Winston Churchill verwandt sei, aus, um der drohenden Gefangenschaft zu entgehen.

Odette Sansom deckt ihre wahre Identität auf und sagt auch bei dem Ravensbrück-Prozess 1946 gegen Suhren und andere Verantwortliche des Konzentrationslagers Ravensbrück aus. Suhren kann fliehen, wird 1949 wieder verhaftet, an die französischen Besatzungsbehörden übergeben, in Rastatt 1950 zum Tod verurteilt und standrechtlich erschossen.                                                     

Odette Sansom ist die einzige Überlebende der neun SOE-Frauen, die 1944 im Gefängnis in Karlsruhe eingesperrt waren.
 

Bildergalerie: © gemeinfrei (https://commons.wikimedia.org/)

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