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Erinnerungsorte für die Opfer des Nationalsozialismus

In Karlsruhe finden sich zahlreiche Erinnerungsorte für die Opfer des Nationalsozialismus. Sie können hier über den Stadtplan und über nach Stadtteilen geordneten Listen recherchiert werden. Die einzelnen Erinnerungsorte werden in Bild und Text vorgestellt.

Externer Inhalt: https://geoportal.karlsruhe.de/stadtplan_mini_gedenkorte/

Ein erster Ort der Erinnerung an Opfer des Nationalsozialismus entstand in Karlsruhe Mitte 1945, als ein in Karlsruhe stationierter sowjetischer Offizier ein Gedenkkreuz errichten ließ. Es steht beim Ehrengräberfeld für sowjetische Opfer auf dem Jüdischen Friedhof beim Hauptfriedhof. Im folgenden Jahr wurden mehrere Straßen nach Karlsruher Opfern benannt.

Als die Stadt Karlsruhe 1954/55 auf der Grundlage des "Kriegsgräbergesetzes" auch Ehrengräberfelder für zu Tode gekommene Zwangsarbeiterinnen und -arbeiter anlegen ließ, wurden dort Gedenksteine und-kreuze aufgestellt. Das neu angelegte Ehrenfeld für die Opfer der "Euthanasie"-Aktion erhielt 1964 ebenfalls einen Gedenkstein und ein Denkmal. Außerhalb der Friedhöfe gab es bis in die 1980er-Jahre nur einen Erinnerungsort, eine Tafel in der Kronenstraße (1963), die auf die dort 1938 zerstörte Synagoge hinwies.

Nach einer fast 20-jährigen Pause entstanden dann - parallel zur intensivierten Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus - seit 1983 kontinuierlich weitere Erinnerungsorte nicht nur in der Innenstadt, sondern auch in den Stadtteilen Beiertheim, Durlach, Grötzingen, Neureut, Nordstadt, Nordweststadt, Oberreut, Waldstadt und Weststadt. Die meisten gingen auf Initiativen aus der Bürgerschaft zurück, einige Denkmäler wurden von engagierten Gruppen selbst gestaltet. Den letzten größeren Zuwachs stellen mehrere Sandsteinstelen zu nationalsozialistischen Verbrechen dar, die seit 2010 von der Stadt aufgestellt wurden.

Ebenfalls dem bürgerschaftlichen Engagement zu verdanken ist die Verlegung von knapp 300 Stolpersteinen seit dem Jahr 2005 durch den Künstler Gunter Demnig. Die Stolpersteine erinnern an Personen, die durch die nationalsozialistische Verfolgung zu Tode gekommen sind.

Dieser interaktive Stadtplan wird weiter ausgebaut. In Zukunft wird er um Grabstätten von Zwangsarbeiterinnen und -arbeitern auf den Stadtteilfriedhöfen ergänzt.

Liste der Erinnerungsorte für die Opfer des Nationalsozialismus

Denkstein für die Wiederstandsgruppe Weiße Rose

Geschwister-Scholl-Straße 2

Ansicht des Denkstein Weiße Rose

Die Weiße Rose war eine ab Sommer 1942 in München entstandene Widerstandsgruppe gegen den Nationalsozialismus. Ihre Mitglieder waren vorwiegend Studentinnen und Studenten. Humanistischen und christlichen Werten verpflichtet - wofür symbolisch gleichfalls die weiße Rose steht -, verfassten und verbreiteten sie sechs Flugblätter gegen den nationalsozialistischen Krieg und die Ermordung der Juden, ehe die Gruppe ab dem 18. Februar 1943 aufflog. Zuletzt hatten sie noch versucht, den Kontakt zu Widerstandskreisen in Berlin herzustellen. Auf diesem Weg kam das letzte Flugblatt, das die vernichtende Wehrmachtsniederlage von Stalingrad thematisierte, nach England. Ab Sommer 1943 wurde es von der britischen Luftwaffe vervielfältigt und massenhaft über Deutschland abgeworfen. Zum engsten Kreis der Weißen Rose wurden sechs Mitglieder gezählt, darunter die Geschwister Hans und Sophie Scholl. Alle wurden zum Tode verurteilt und hingerichtet. Früh nach 1945 galt die bürgerlich-humanistische Widerstandsgruppe in West- wie Ostdeutschland als Vorbild. Ihre Geschichte wurde rezipiert, Straßen und Gebäude nach der Gruppe oder einzelnen Personen benannt. Die Geschwister-Scholl-Straße im Stadtteil Beiertheim erhielt ihren Namen 1962. Im selben Jahr begann der 1965 abgeschlossene Neubau der Kirche St. Michael.

Auf Anregung des "Karlsruher Geschichtenerzählers" (eigene Bezeichnung) und Begründers der Wirkstatt, Forum für Erlebniskunst e. V., Manfred Bögle, wurde in Verbindung mit dem Bürgerverein Beiertheim vor dem Gemeindezentrum St. Michael ein Stein aus schwarzem Marmor (Höhe 70 cm, Breite 45 cm, Tiefe 13,5 cm) gesetzt, gestaltet mit abgebrochener Ecke und mit der Inschrift Widerstehen! / Denkstein "Weiße Rose". Neben dem am 16. Juni 2009 enthüllten Denkstein wurde ein weißer Rosenbusch gepflanzt.

Weiterführende Informationen

Detlef Bald: Die Weiße Rose, Berlin 2003

Mahnmal für die 1940 nach Gurs deportierten Jüdinnen und Juden aus Durlach

Wilmar-Schwabe-Straße, in der Grünanlage beim Bahnhof Durlach

Ansicht des Mahnmals
Ansicht des Mahnmals

Das Mahnmal aus Buntsandstein (Höhe 110 cm, Breite 55 cm, Tiefe 53 cm) wurde von der Klasse 10c des Durlacher Markgrafen-Gymnasiums im Schuljahr 2010/11 gestaltet und am 21. Oktober 2011 enthüllt. Es zeigt einen unversehrten und einen zerstörten Davidstern und enthält die Worte Durlach, Gurs und 1940.

Es erinnert an die am 22. Oktober 1940 aus ihrer Heimat in das unbesetzte Frankreich abgeschobenen Jüdinnen und Juden. Viele starben dabei oder wurden in der Folgezeit in Vernichtungslagern ermordet. Insgesamt über 5.600 Menschen aus Baden, Pfalz und Saarland wurden in dem im Jahr zuvor für spanische Bürgerkriegsflüchtlinge errichtete Barackenlager bei Gurs am Nordrand der Pyrenäen interniert.

Ansicht des Mahnmals

Das Mahnmal ist eines von drei Mahnmalen in Karlsruhe, die Teil des 2002 von der Evangelischen Landeskirche in Baden und der Erzdiözese Freiburg initiierten Mahnmalprojekts zur Erinnerung an die aus Baden deportierten Jüdinnen und Juden sind. Die beiden anderen Karlsruher Mahnmale befinden sich in der Südweststadt und in Grötzingen. Das Projekt richtet sich an Jugendgruppen und Schulklassen. Für jeden der 137 Orte in Baden, an denen vor der Deportation einst eine jüdische Gemeinde bestand, soll ein Mahnmal als identisches Paar gestaltet werden. Ein Mahnmal wird am Ort aufgestellt, das zweite in das Gelände der Tagungsstätte der Evangelischen Jugend in Neckarzimmern auf einer 25 mal 25 Meter großen Bodenskulptur in Form eines Davidsterns integriert. Bislang wurden 120 Mahnmale geschaffen. Die Durlacher Jüdinnen und Juden gehörten der Gemeinde in Grötzingen an.

Weiterführende Informationen

Informationen zum Mahnmalprojekt in Neckarzimmern

Artikel zur Deportation 1940 im Stadtlexikon Karlsruhe

Susanne Asche: Die Bürgerstadt, in: Dies., Olivia Hochstraßer: Durlach. Staufergründung, Fürstenresidenz, Bürgerstadt, Karlsruhe 1996 (=Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs, Bd. 17), hier S.423-426

Buch zum Download (PDF)

Erinnerungstafel für die Zwangsarbeiterinnen und -arbeiter in Durlach

An der Raumfabrik 2

Ansicht der Erinnerungstafel

In der einstigen Industriestadt Durlach wurden während des Zweiten Weltkrieges aus den besetzten Ländern Zwangsarbeitskräfte in großer Zahl in der Landwirtschaft, anderen Gewerben und vor allem in den Rüstungsfabriken eingesetzt. Die größte war die Nähmaschinenfabrik Gritzner-Kayser. 1957 von der Pfaff AG übernommen, meldete das Unternehmen 1999 Konkurs an. Das ehemalige Betriebsgelände wurde seit 2001 zu einem Gewerbepark mit Büro-, Gewerbe- und Wohnflächen als RaumFabrik-Durlach ausgebaut.

Ansicht der Erinnerungstafel

Die in ein Mäuerchen eingelassene Tafel aus Corten-Stahl mit ausgestanzter Schrift (Höhe 101,5 cm, Breite 98,5 cm, Tiefe 36 cm) vor dem Mehrgenerationenhaus wurde auf Anregung aus dem Ortschaftsrat angebracht und am 20. Oktober 2009 enthüllt. Ihre Inschrift lautet:
Auf diesem Gelände und an vielen anderen Stellen in Durlach / waren im Zweiten Weltkrieg fast 2.000 Zwangsarbeiterinnen und / Zwangsarbeiter in den Fabriken, anderen Gewerbebetrieben und / in der Landwirtschaft eingesetzt. / Aus ihrer Heimat verschleppt, wurde ihre Arbeitskraft von der / deutschen Kriegswirtschaft ausgebeutet. Sie lebten unter teilweise / menschenunwürdigen Umständen in Barackenlagern sowie / Schlafsälen der Durlacher Gasthäuser. Mehrere von ihnen fanden / in Durlach den Tod, zum Teil durch eine unmenschliche Justiz. / Den Opfern zum Gedenken. / Den Lebenden als Mahnung zur Bewahrung des Friedens, / der Menschenwürde und der freien Selbstbestimmung / aller Menschen.

Weiterführende Informationen

Susanne Asche: Die Bürgerstadt, in: Dies., Olivia Hochstraßer: Durlach. Staufergründung, Fürstenresidenz, Bürgerstadt, Karlsruhe 1996 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs, Bd. 17), hier S. 428 f.

Buch zum Download (PDF)

Jürgen Schuhladen-Krämer: Zwangsarbeit in Karlsruhe 1939 - 1945. Ein unbekanntes Kapitel Stadtgeschichte, Karlsruhe 1997 (= Forschungen und Quellen zur Stadtgeschichte, Schriftenreihe des Stadtarchivs, Bd. 3)

Buch zum Download (PDF)

Erinnerungsstele für die ehemalige jüdische Synagoge Grötzingen

Krumme Straße 17

Ansicht der Erinnerungsstele

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurden unter nationalsozialistischer Verantwortung überall in Deutschland Synagogen zerstört und in Brand gesteckt, ebenso Geschäfte und Wohnungen von Jüdinnen und Juden. In Grötzingen erschien erst gegen Mittag des 10. Novembers eine Gruppe in Zivil, die in die 1799 errichtete Synagoge eindrang, Fenster und Mobiliar zerschlug und die Gebetsbücher und Thorarollen auf die Straße warf. Das Anzünden der Synagoge verhinderten Nachbarn mit dem Hinweis auf die Gefahr für ihre Häuser. Anfang 1939 wurde das Gebäude im Auftrag der Gemeinde verkauft und abgerissen.

Die vom Karlsruher Bildhauer Gerhard Karl Huber skulptural gestaltete Buntsandsteinstele (Höhe 173 cm, Breite 55 cm, Tiefe 25 cm) wurde am 9. November 1983 enthüllt. Sie trägt den Text:

Hier / stand die / 1799 / erbaute und / 1899 / umgebaute / Synagoge / der jüdischen / Gemeinde / Grötzingen / sie wurde am / 10.NOV.1938 / unter national- / sozialistischer / Gewalt- / herrschaft / zerstört

Ansicht der Erinnerungsstele

Weiterführende Informationen

Festschrift zum Hundertjährigen Jubiläum der Erbauung der Synagoge in Grötzingen von Sigmund Metzger, 1899, wieder veröffentlicht von der Evangelischen Kirchengemeinde Karlsruhe-Grötzingen durch Pfarrer Ulrich Schadt, mit einem Anhang, Karlsruhe-Grötzingen 2002.

Festschrift zum Download (PDF)

Gedenktafel für die ermordeten jüdischen Bürgerinnen und Bürger Grötzingens

Rathausplatz 2, nördliche Gebäudeseite links

Ansicht der Gedenktafel

In Grötzingen bestand spätestens zu Beginn des 18. Jahrhunderts eine jüdische Gemeinde, deren Mitglieder überwiegend zu den ärmeren Bewohnern zählten. Über einen eigenen Rabbiner verfügte die Gemeinde nie. Mit der staatsbürgerlichen Gleichstellung 1862 erhielten 19 Grötzinger männliche Juden und eine Witwe die Bürgerrechte.

Zahlreiche Juden zogen mit der Industrialisierung nach Durlach oder gleich nach Karlsruhe.
Am 22. Oktober 1940 wurden die letzten 10 Grötzinger Jüdinnen und Juden nach Gurs deportiert. An diese erinnert die 2007 am Rathausnebengebäude angebrachte Tafel. In diesem Haus befand sich einst das Tuchwarengeschäft Sinauer & Veith von Sigmund Sinauer, das in der Reichspogromnacht am 10. November 1938 zerstört und geplündert wurde. Familie Sinauer zog nach Karlsruhe-Durlach, wo Sigmund Sinauer im Mai 1939 verstarb.
Das Haus wurde von der Gemeinde Grötzingen erworben, die darin Gemeinde- und NS-Stellen unterbrachte. Witwe Wilhelmine Sinauer (1878-1948) wurde 1940 nach Gurs deportiert, überlebte und konnte in die USA emigrieren.

Im Zusammenhang mit dem Mahnmalprojekt beantragte 2007 die Grüne Liste, den jüdischen Todesopfern namentlich zu gedenken. Dem stimmte der Ortschaftsrat Grötzingen einstimmig zu. Zuvor hatte eine Gruppe der Heimatfreunde Grötzingen e. V. die Biographien der Ermordeten aus Grötzingen für das Gedenkbuch für die Karlsruher Juden recherchiert.

Die Tafel aus Buntsandstein (Höhe 110 cm, Breite 110 cm, Tiefe 7 cm), die am 16. Juli 2007 enthüllt wurde, enthält die Namen der neun durch die NS-Verfolgung Umgekommenen:

Jüdische Mitbürger wurden von den National- / sozialisten und ihren Handlangern im Oktober / 1940 nach Gurs/Südfrankreich deportiert / In Lagern starben: / Max Palm / Leopold Traub / Ludwig Lazarus Traub / Emil Elias Weil / Im August 1942 wurden nach Auschwitz gebracht und / dort getötet: / Auguste Palm / Luise Palm / Mina Traub / Jenny Traub / Thekla Weil / Gesegnet sei ihr Angedenken / 2007

Weiterführende Informationen

Festschrift zum Hundertjährigen Jubiläum der Erbauung der Synagoge in Grötzingen von Sigmund Metzger, 1899, wieder veröffentlicht von der Evangelischen Kirchengemeinde Karlsruhe-Grötzingen durch Pfarrer Ulrich Schadt, mit einem Anhang, Karlsruhe-Grötzingen 2002.

Festschrift zum Download (PDF)

Gedenkbuch für die Karlsruher Juden

Gedenktafel für die Opfer des Nationalsozialismus in Grötzingen

Rathausplatz 2, nördliche Gebäudeseite rechts

Ansicht der Gedenktafel

Die Gedenktafel erinnert an die durch die NS-Herrschaft umgekommenen Grötzingerinnen und Grötzinger sowie Zwangsarbeiterinnen und -arbeiter aus der Sowjetunion und Polen. Die ausdrückliche Erinnerung an diese erfolgte damit im Vergleich zu Karlsruhe insgesamt zu einem relativ frühen Zeitpunkt. Die Zwangsarbeiter*innen der Deutschen Waffen- und Munitionsfabriken in Grötzingen kamen hauptsächlich bei Luftangriffen ums Leben, außer zwei am 6. Juni 1944 wegen angeblicher Sabotage auf dem Werksgelände hingerichteten 23- und 20-jährigen Polen. Sie alle sind auf dem Grötzinger Friedhof namentlich auf den Gedenksteinen genannt. Die nicht namentlich genannten neun jüdischen Todesopfer erhielten deswegen 2007 eine eigene Widmung.

Zu den namentlich gleichfalls nicht genannten Todesopfern der NS-Verfolgung zählen noch der Schlosser Friedrich Erb, Kommunist und Gewerkschafter, der 1937 nach KZ-Haft und existenzieller Bedrohung mit nur 47 Jahren verstarb, sowie der Schriftsetzer Friedrich Gerhardt, gleichfalls Kommunist und einst Gemeinderat, der wegen der Verfolgung 1934 Suizid beging. Drei Tage vor dem Einzug der französischen Truppen in Grötzingen am 6. April 1945 wurde der 39-jährige Arbeiter Eugen Kleiber durch einen fanatischen Nationalsozialisten erschossen, als er sich gegen die Sprengung der Pfinzbrücken am 3./4. April 1945 stellte.

Die Initiative zu der Gedenktafel kam aus einer Arbeitsgruppe im Vorfeld der Eintausend-Jahrfeier von Grötzingen. Dazu war von Susanne Asche aus dem Stadtarchiv Karlsruhe eine neue Ortsgeschichte recherchiert worden, die auch die Opfer der NS-Verfolgung aufarbeitete. Am Tag der Enthüllung der Gedenktafel am Rathausnebengebäude, am 1. April 1991, wurde auch der historische Erinnerungspfad mit 38 Tafeln zur Erinnerung an ehemalige Grötzinger Örtlichkeiten eingeweiht. Die damaligen Holztafeln sind inzwischen durch Metalltafeln ersetzt.

Der Text der Tafel aus Buntsandstein (Höhe 60 cm, Breite 110 cm, Tiefe 10 cm) lautet:
Das Geheimnis der Versöhnung heisst Erinnerung / in Grötzingen fanden durch die / nationalsozialistische Gewaltherrschaft / zwischen 1933 - 1945 / Mitbürgerinnen und Mitbürger / und verschleppte aus Polen und Russland / den Tod. / 1991

Weiterführende Informationen

Susanne Asche: Eintausend Jahre Grötzingen. Die Geschichte eines Dorfes, mit Beiträgen von Brigitte Baumstark und Angelika Sauer, Karlsruhe 1991 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs, Bd. 13)

Mahnmal für die 1940 nach Gurs deportierten Jüdinnen und Juden aus Grötzingen

Obermühlweg / Pfinzuferweg

Ansicht des Mahnmals

Das Mahnmal wurde von Schülerinnen und Schülern des Ludwig-Marum-Gymnasiums in Berghausen gestaltet und am 16. Juli 2007 enthüllt. Das Mahnmal besteht aus einem Gussstein-Sockel, sechs Buntsand-Abbruchsteinen und einer Metalltafel (Höhe 125 cm, Durchmesser 250 cm). Die Abbruchsteine stammen von der ehemaligen Gießerei Herrmann & Co in Grötzingen, die neben den Deutschen Waffen- und Munitionsfabriken einen hohen Anteil Zwangsarbeiter*innen eingesetzt hatte.

Weil das Mahnmal keine Namen der Opfer nennt, wurde am gleichen Tag eine Gedenktafel mit den Opfernamen am Rathausnebengebäude in Grötzingen angebracht.

Ansicht des Mahnmals

Das Mahnmal ist eines von drei Mahnmalen in Karlsruhe, die Teil des 2002 von der Evangelischen Landeskirche in Baden und der Erzdiözese Freiburg initiierten Mahnmalprojekts zur Erinnerung an die aus Baden deportierten Jüdinnen und Juden sind. Die beiden anderen Karlsruher Mahnmale befinden sich in der Südweststadt und in Durlach. Das Projekt richtet sich an Jugendgruppen und Schulklassen. Für jeden der 137 Orte in Baden, an denen vor der Deportation einst eine jüdische Gemeinde bestand, soll ein Mahnmal als identisches Paar gestaltet werden. Ein Mahnmal wird am Ort aufgestellt, das zweite in das Gelände der Tagungsstätte der Evangelischen Jugend in Neckarzimmern auf einer 25 mal 25 Meter großen Bodenskulptur in Form eines Davidsterns integriert. Bislang wurden 120 Mahnmale geschaffen.

Weiterführende Informationen

Festschrift zum Hundertjährigen Jubiläum der Erbauung der Synagoge in Grötzingen von Sigmund Metzger, 1899, wieder veröffentlicht von der Evangelischen Kirchengemeinde Karlsruhe-Grötzingen durch Pfarrer Ulrich Schadt, mit einem Anhang, Karlsruhe-Grötzingen 2002.

Download zur Festschrift (PDF)

Informationen zum Mahnmalprojekt in Neckarzimmern

Gedenktafel für die Verfolgten der Technischen Hochschule Karlsruhe 1933 - 1945

Ehrenhof des KIT Campus Süd

Ansicht der Gedenktafel

Die Verfolgung politischer Gegner und von Bürgerinnen und Bürgern jüdischer Herkunft durch die Nationalsozialisten seit 1933 machte auch vor den Hochschulen nicht halt. An der Technischen Hochschule Karlsruhe wurden 11 der 41 ordentlichen und außerordentlichen Professoren sowie mindestens 13 weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entlassen. 1937 kam das Promotionsverbot für Juden, ab dem Jahr darauf wurde ihnen das Studium ganz verwehrt.

Zum Gedenken an die Menschen, die aus dem Dienst entfernt, vom Studium ausgeschlossen oder denen akademische Grade und Würden entzogen wurden, ließ das Institut für Technologie (KIT) im Ehrenhof eine Gedenktafel aus Stahl und Bronze (134 x 134 cm) anbringen, die am 30. Mai 2016 enthüllt wurde. Ihre Inschrift lautet:

Zum Gedenken / an die Angehörigen / der Technischen Hochschule Karlsruhe, / denen in den Jahren von 1933 bis 1945 / durch den Nationalsozialismus / aus rassistischen oder / anderen ideologischen und politischen Motiven / durch die Entfernung aus dem Dienst, / den Ausschluss vom Studium, / den Entzug akademischer Grade und Würden / oder auf andere Weise Unrecht zugefügt wurde. / Die Verfolgungen brachen mit Grundwerten / der Menschlichkeit und Toleranz. / Die Erinnerung mahnt, diese Werte in der Gegenwart / und in der Zukunft zu bewahren. / / Das Karlsruher Institut für Technologie, / vertreten durch das Präsidium und Senat / im Jahr 2016

Da die Namen der Verfolgten nicht vollständig zu ermitteln waren, verzichtete man auf Namensnennungen im Text.

Gedenkort ehemalige Synagoge der liberalen jüdischen Gemeinde

Kronenstaße 15

Ansicht des Gedenkorts der ehemaligen Synagoge der liberalen jüdischen Gemeinde

Am 12. Mai 1875 wurde in der Kronenstraße die nach Plänen des Architekten Josef Durm erbaute neue Synagoge der liberalen Israelitischen Religionsgemeinschaft eingeweiht. In der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurde sie durch Nationalsozialisten in Brand gesteckt und beschädigt. In den folgenden Monaten ließ die Stadt die Synagoge abreißen, die Kosten dafür wurden der jüdischen Gemeinde in Rechnung gestellt.

Am 11. November 1963, 25 Jahre nach der Zerstörung der Synagoge, wurde an der Mauer des Grundstücks eine Gedenktafel aus Bronze (Höhe 64 cm, Breite 93 cm) enthüllt. Ihre Inschrift lautet: Hier stand die / Synagoge / der israelitischen / Gemeinde / Karlsruhe / sie wurde am / 10. November 1938 / unter der Herrschaft / der Gewalt / und des Unrechts / zerstört

1988 wurde der Gedenkort um weitere Elemente ergänzt. Rechts und links von der Gedenktafel wurde je eine weitere Bronzetafel (Höhe 64 cm, Breite 71 cm) angebracht, die linke Tafel zeigt die Synagoge vor der Zerstörung, die rechte Tafel die Ruine nach der Reichspogromnacht. Vor den Tafeln wurde ein halbkreisförmiges Podest aus Beton errichtet, an dessen Rand eine hebräische Umschrift aus Bronzebuchstaben verläuft. Ihre Übersetzung lautet: Erinnere [Dich] Gott, [an die] heiligen Seelen

Am Gedenkort findet jährlich am 9. November eine Mahnwache von Schülerinnen und Schülern statt, die mit kleinen Ausstellungen und Informationsblättern die Geschehnisse der Pogromnacht vermitteln.

Seit 2005 ist der Gedenkort auch einer von 24 dezentralen Standorten des Kunstprojektes Platz der Grundrechte von Jochen Gerz, mit denen auf das Thema des Umgangs mit Recht und Unrecht in der Karlsruher Geschichte aufmerksam gemacht werden soll. Ein Schild und ein Erläuterungstäfelchen am Gehweg verweisen auf dieses Projekt.

Weiterführende Informationen

Artikel im Stadtlexikon Karlsruhe zur Synagoge in der Kronenstraße

Zur Verfolgung der Karlsruher Jüdinnen und Juden in der Zeit des Nationalsozialismus:
Josef Werner: Hakenkreuz und Judenstern. Das Schicksal der Karlsruher Juden im Dritten Reich, 2. Auflage Karlsruhe 1990 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs, Band 9).

Buch zum Download (PDF)

Zum Platz der Grundrechte

Deserteursdenkmal

Steinstraße 23, Innenhof des Gewerbehofs

Ansicht des Deserteursdenkmal

Angeregt worden war das Deserteursdenkmal durch den in der Friedensbewegung und als Vorsitzender der "Bundesvereinigung Opfer der NS-Militärjustiz" politisch aktiven ehemaligen Wehrmachtsdeserteur Ludwig Baumann (1921-2018), der auch öfter in Karlsruhe sprach. 1990 konstruierten Karlsruher Aktivist*innen aus der Friedensbewegung ein Denkmal aus Betonguss und Stahl mit einem umgedrehten Stahlhelm, Militärstiefelspuren und einem zerbrochenen Gewehr, das Symbol der 1921 gegründeten pazifistischen War Resisters' International.

Es wurde am 5. Mai 1990 auf dem Marktplatz enthüllt und fand nach der Weigerung der Stadt Karlsruhe, einen Standort im öffentlichen Raum zur Verfügung zu stellen, einen vorläufigen Platz im Gewerbehof. Das Bodendenkmal wurde 2005 durch das Friedensbündnis Karlsruhe und den Trägerverein des Gewerbehofes saniert, durch einen gemauerten Sockel erhöht und die Tafel mit der Inschrift hier lebte ein mann, / der sich geweigert hat, / auf seine mitmenschen zu schießen. / ehre seinem andenken. / kurt tucholsky, für die deserteure erneuert.

Weiterführende Informationen

Zur Geschichte des Karlsruher Deserteursdenkmals

Blaue Informationstafel zum jüdischen Hotel Nassauer Hof

Kriegsstraße 88

Ansicht der Informationstafel

1994 wurde am Gebäude des ehemaligen Hotels Nassauer Hof eine blaue Emaille-Tafel angebracht. Die Inschrift lautet: In diesem Gebäude befand sich bis 1938 das jüdische Hotel / Nassauer Hof / Während der "Reichskristallnacht", dem Judenpogrom / vom 9./10. November 1938, wurde es wie die Mehrzahl der / jüdischen Geschäfte von Nationalsoziallisten zerstört. / Die Gäste mußten unter Gewaltandrohung ins Gefängnis / in der Riefstahlstraße marschieren.

Die blauen Emaille-Tafeln (Höhe 26 cm, Breite 44 cm), die von der Stadt Karlsruhe seit 1989 an zahlreichen Bauten angebracht wurden, enthalten zentrale historische Informationen zur Nutzung der Gebäude oder zu mit ihnen verbundenen Ereignissen. Die Gestaltung erfolgte in Anlehnung an historische Straßenschilder. Die Textlänge der Tafeln ist sehr beschränkt. So sind auf dieser Tafel nur knappe Informationen zur jüdischen Geschichte des Hauses wiedergegeben.

Weiterführende Informationen

Zur Verfolgung der Karlsruher Jüdinnen und Juden in der Zeit des Nationalsozialismus:
Josef Werner: Hakenkreuz und Judenstern. Das Schicksal der Karlsruher Juden im Dritten Reich. 2. Auflage Karlsruhe 1990 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs, Band 9).

Buch zum Download (PDF)

Blaue Informationstafel zum Bezirksamt

Karl-Friedrich-Straße 15

Ansicht der Informationstafel

1995 wurde am Gebäude des ehemaligen Bezirksamts eine blaue Emaille-Tafel angebracht. Die Inschrift lautet: Nach Pänen von Josef Durm mit Bauplastiken von Adolf Heer / entstand von 1896 bis 1899 dieser Bau für das / Bezirksamt. / Während des "Dritten Reichs" wurden darin Regimegegner miß- / handelt. Von hier deportierten die Nationalsozialisten 1940 / Juden sowie Sinti und Roma in Konzentrationslager.

Die blauen Emaille-Tafeln (Höhe 26 cm, Breite 44 cm), die von der Stadt Karlsruhe seit 1989 an zahlreichen Bauten angebracht wurden, enthalten zentrale historische Informationen zur Nutzung der Gebäude oder zu mit ihnen verbundenen Ereignissen. Die Gestaltung erfolgte in Anlehnung an historische Straßenschilder. Die Textlänge der Tafeln ist sehr beschränkt. So ist auf dieser Tafel neben dem Ursprung des Verwaltungsgebäudes nur der wichtige Punkt seiner Bedeutung bei der Verfolgung von Juden sowie von Sinti und Roma erwähnt.

Weiterführende Informationen

Artikel zu den Sinti und Roma im Stadtlexikon Karlsruhe

Zur Verfolgung der Karlsruher Jüdinnen und Juden in der Zeit des Nationalsozialismus:
Josef Werner: Hakenkreuz und Judenstern. Das Schicksal der Karlsruher Juden im Dritten Reich. 2. Auflage Karlsruhe 1990 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs, Band 9).

Buch zum Download (PDF)

Gedenktafel für die ehemalige Synagoge der orthodoxen jüdischen Gemeinde

Karl-Friedrich-Straße 18

Ansicht der Gedenktafel

In der Auseinandersetzung zwischen reformorientierten und dem traditionellen jüdischen Ritus verpflichteten Gemeindemitgliedern traten 1869 einige orthodoxe jüdische Familien aus der jüdischen Gemeinde aus. Sie gründeten nach dem Muster der Frankfurter Austrittsgemeinde von Samson Raphael Hirsch (1808-1888) 1870 die orthodoxe Israelitische Religionsgesellschaft. Karlsruhe war die einzige neo-orthodoxe Austrittsgemeinde in Baden.

Die Gemeinde erwarb 1879/80 das Anwesen Karl-Friedrich-Straße 16 und ließ in dessen rückwärtigen Hof eine vom Architekten Gustav Ziegler entworfene Synagoge bauen, die 1881 eingeweiht wurde. Wie die Synagoge der liberalen Gemeinde in der Kronenstraße fiel auch diese Synagoge dem nationalsozialistischen Terror der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 zum Opfer.

1988 wurde an der Fassade des Hauses Karl-Friedrich-Straße 18 eine Tafel angebracht, die an die Zerstörung der Synagoge erinnerte. Allerdings wurden in der ersten Version der Tafel die Schuldigen nicht genannt. Erst nach einem kritischen Kommentar in der Karlsruher Alternativzeitung "Gegendruck" im November 1988 wurde der Text ergänzt:

Im rückwärtigen Bereich / dieses Grundstücks / befand sich seit dem Jahre 1881 / die Synagoge / der israelitischen / Religionsgesellschaft / Sie wurde in der Nacht / vom 9./10. November 1938 / auf Anordnung der NS-Regierung / niedergebrannt

Auch diese schlichte Tafel, die die Zerstörung der Synagoge auf einen Verwaltungsakt reduzierte, ersetzte der Hauseigentümer auf eigene Kosten am 9. November 1998 durch eine neue Gedenktafel. Die äußere und textliche Gestaltung wurde mit der Jüdischen Kultusgemeinde abgesprochen. Die Inschrift der quadratischen Bronzetafel (42x42 cm) lautet Im Innenhof / dieses Grundstücks / stand einst die 1881 errichtete / Synagoge / der orthodoxen / israelitischen Religionsgesellschaft. / In der Nacht / vom 9. zum 10. November 1938 / wurde auch diese Synagoge / von Nationalsozialisten / entweiht und niedergebrannt.

So spiegelt die Geschichte dieser Gedenktafeln die Entwicklung in der Auseinandersetzung mit den Verbrechen der Nationalsozialisten in den letzten Jahrzehnten wider.

Weiterführende Informationen

Artikel zur Synagoge in der Karl-Friedrich-Straße im Stadtlexikon Karlsruhe

Zur Verfolgung der Karlsruher Jüdinnen und Juden in der Zeit des Nationalsozialismus:
Josef Werner: Hakenkreuz und Judenstern. Das Schicksal der Karlsruher Juden im Dritten Reich, 2. Auflage Karlsruhe 1990 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs, Band 9).

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Stele zur Erinnerung an die Bücherverbrennung 1933

Schlossplatz

Stele zur Bücherverbrennung auf dem westlichen Schlossplatz 2013

Blaue Informationstafel zum Bankhaus Veit L. Hombuger

Karlstraße 11

Ansicht der Informationstafel

1994 wurde am Gebäude des ehemaligen Bankhauses Veit L. Homburger eine blaue Emaille-Tafel angebracht. Die Inschrift lautet: Das Bankhaus Veit L. Homburger / wurde 1854 gegründet und entwickelte sich zu einem bedeutenden Unternehmen. 1901 bezog es diesen von Robert Curjel und Karl Moser geplanten Bau. 1939 erzwangen die Boykottmaßnahmen der Nationalsozialisten die Liquidierung der jüdischen Bank.

Die blauen Emaille-Tafeln (Höhe 26 cm, Breite 44 cm), die von der Stadt Karlsruhe seit 1989 an zahlreichen Bauten angebracht wurden, enthalten zentrale historische Informationen zur Nutzung der Gebäude oder zu mit ihnen verbundenen Ereignissen. Die Gestaltung erfolgte in Anlehnung an historische Straßenschilder. Die Textlänge der Tafeln ist sehr beschränkt. So sind auf dieser Tafel nur knappe Informationen zur jüdischen Geschichte des Hauses wiedergegeben.

Weiterführende Informationen

Zur Verfolgung der Karlsruher Jüdinnen und Juden in der Zeit des Nationalsozialismus:
Josef Werner: Hakenkreuz und Judenstern. Das Schicksal der Karlsruher Juden im Dritten Reich. 2. Auflage Karlsruhe 1990 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs, Band 9).

Buch zum Download (PDF)

Blaue Informationstafel zum Kaufhaus Geschwister Knopf

Kaiserstraße 147-159

Ansicht der Informationstafel

1994 wurde am Gebäude des ehemaligen Kaufhauses Geschwister Knopf (heute dort das Kaufhaus Karstadt) eine blaue Emaille-Tafel angebracht. Die Inschrift lautet: Das erste Karlsruher / Kaufhaus / wurde 1881 hier im ehemaligen Palais des Bankiers / v. Haber von den Geschwistern Knopf eingerichtet. / 1912 - 1914 erbauten sie nach Plänen von Wilhelm Kreis / dieses Gebäude. Das jüdische Unternehmen wurde 1938 / 'arisiert' und von Friedrich Hölscher bis 1953 betrieben. / 1954 übernahm die Karstadt AG das Warenhaus.

Die blauen Emaille-Tafeln (Höhe 26 cm, Breite 44 cm), die von der Stadt Karlsruhe seit 1989 an zahlreichen Bauten angebracht wurden, enthalten zentrale historische Informationen zur Nutzung der Gebäude oder zu mit ihnen verbundenen Ereignissen. Die Gestaltung erfolgte in Anlehnung an historische Straßenschilder. Die Textlänge der Tafeln ist sehr beschränkt. So sind auf dieser Tafel nur knappe Informationen zur jüdischen Geschichte des Hauses wiedergegeben.

Weiterführende Informationen

Marco Wottge: "Arisierung" in der Zeit des Nationalsozialismus in Karlsruhe, Karlsruhe 2020 (Forschungen und Quellen zur Stadtgeschichte, Schriftenreihe des Stadtarchivs Karlsruhe, Bd. 20), hier v. a. S. 26, 49, 219-222, 313, 320 und 335.

Mahnmal für die Opfer der NS-Justiz im Bundesgerichtshof

Bundesgerichtshof, Erbgroßherzogliches Palais, Erdgeschoss

Ansicht des Mahnmals im Bundesgerichtshof

Die 2,40 m hohe, dreieckige Stele aus vergoldetem Messing gestaltete der Graphiker und Designer Otl Aicher (1922-1991). Er war ein Schwager der Geschwister Hans und Sophie Scholl, die im Jahre 1943 wegen ihres Widerstandes gegen das NS-Regime aufgrund eines Todesurteils des Volksgerichtshofs hingerichtet wurden.
Die Stele trägt die Inschrift Gerechtigkeit / erhöht ein Volk / Buch der Sprüche 14,34 / Im Gedenken an / die Frauen und Männer, / denen im Namen / des deutschen Volkes / Unrecht geschah.

Die Stele wurde am 30. Januar 1990 von Bundesjustizminister Hans A. Engelhard übergeben.

Weiterführende Informationen

Wenn die Situation es wieder zulässt, kann eine Besichtigung der Stele im Zuge einer Führung für Besuchergruppen beim Bundesgerichtshof stattfinden. Die Teilnahme an einer Führung ist nach vorheriger Anfrage und Anmeldung über den Besucherdienst des Bundesgerichtshofs möglich. Das Kontaktformular und die allgemeinen Hinweise für Führung mit oder ohne Verhandlungsbesuch können auf der Homepage des Bundesgerichtshofs eingesehen werden.

Link zur Homepage des Bundesgerichtshofs

Mahnmal für die 1940 nach Gurs deportierten Jüdinnen und Juden

Vor dem Haus Sophienstraße 31

Ansicht des Mahnmals

Das Mahnmal ist eines von drei Mahnmalen in Karlsruhe, die Teil des 2002 von der Evangelischen Landeskirche in Baden und der Erzdiözese Freiburg initiierten Mahnmalprojekts zur Erinnerung an die aus Baden deportierten Jüdinnen und Juden sind. Die beiden anderen Karlsruher Mahnmale befinden sich in Durlach und Grötzingen. Das Projekt richtet sich an Jugendgruppen und Schulklassen. Für jeden der 137 Orte in Baden, an denen vor der Deportation einst eine jüdische Gemeinde bestand, soll ein Mahnmal als identisches Paar gestaltet werden. Ein Mahnmal wird am Ort aufgestellt, das zweite in das Gelände der Tagungsstätte der Evangelischen Jugend in Neckarzimmern auf einer 25 mal 25 Meter großen Bodenskulptur in Form eines Davidsterns integriert. Bislang wurden 120 Mahnmale geschaffen.

Ansicht des Mahnmals

Schülerinnen und Schüler der Katholischen Fachschule für Sozialpädagogik Karlsruhe Agneshaus schufen das Denkmal in Zusammenarbeit mit dem Bildhauer Martin Gehri. Es wurde am 10. November 2009 eingeweiht.

Das Mahnmal (Höhe 143 cm, Breite 90 cm, Tiefe 90 cm) legt den Schwerpunkt der Erinnerung auf die deportierten Kinder. So zeigt das Denkmal auf einem mit Schrifttafel (Inschrift siehe Foto) versehenen Sockel Symbole der Kindheit: Teddybär, Puppenwagen, Hut, Tasche und Trommel, die von den Kindern zurückgelassen werden mussten.

Das Mahnmal erinnert an die am 22. Oktober 1940 aus ihrer Heimat in das unbesetzte Frankreich abgeschobenen Jüdinnen und Juden. Viele starben dabei oder wurden in der Folgezeit in Vernichtungslagern ermordet. Insgesamt über 6.500 Menschen aus Baden, Pfalz und Saarland wurden in dem im Jahr zuvor für spanische Bürgerkriegsflüchtlinge errichtete Barackenlager bei Gurs am Nordrand der Pyrenäen interniert.

Weiterführende Informationen

Informationen zum Mahnmalprojekt in Neckarzimmern

Zum Projekt des Agneshauses (PDF)

Artikel zur Deportation 1940 im Stadtlexikon Karlsruhe

Zur Verfolgung der Karlsruher Jüdinnen und Juden in der Zeit des Nationalsozialismus:
Josef Werner: Hakenkreuz und Judenstern. Das Schicksal der Karlsruher Juden im Dritten Reich, 2. Auflage Karlsruhe 1990 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs, Band 9).

Buch zum Download (PDF)

Gedenktafel für die jüdischen, dem Holocaust zum Opfer gefallenen Schüler des Bismarck-Gymnasiums

Bismarck-Gymnasium, Treppenhaus, Bismarckstraße 8

Ansicht der Gedenktafel

Nachdem Schülerinnen und Schüler des Bismarck-Gymnasiums für das "Gedenkbuch für die Karlsruher Juden" die Schicksale der in der Zeit des Nationalsozialismus ermordeten jüdischen Schüler ihrer Schule recherchiert hatten, schlossen sie dieses Projekt mit der Enthüllung der Tafel am 9. Mai 2005 ab.

Die Inschrift der Aluminium-Wandtafel mit Glasabdeckung (Höhe 70 cm, Breite 40 cm) lautet: Den jüdischen Schülern des Bismarck-Gymnasiums, / die dem Holocaust zum Opfer gefallen sind, / zum Gedenken / ROLF GORDON KELLER / 11.12.1910-8.5.1945 im Lager Auschwitz / ALFRED LEOPOLD / 6.9.1897-1944 im Lager Auschwitz / HANS KARL MAYER / 2.5.1914-6.12.1940 im Lager Gurs/Frankreich / DIE BRÜDER / HEINRICH PETER MAYER / 7.4.1926-1942 im Lager Auschwitz / und / JAKOB ALEXANDER TH. MAYER / 10.1.1924-25.2.1945 im Lager Buchenwald / ERNST WERTHEIMER / 5.9.1925-7.8.1942 im Lager Maidanek

Stele zur Erinnerung an den Engländerplatz und an den Fußballpionier Walther Bensemann

Vor dem Anne-Frank-Haus, Moltkestraße 20

Stele zur Erinnerung an die Bedeutung des Engländerplatzes und an den Fußballpionier Walther Bensemann im Jahr 2018

Blaue Informationstafel zur Matzenfabrik Strauß

Am Alten Bahnhof 26

Ansicht der Informationstafel

1994 wurde am Gebäude der ehemaligen Matzenfabrik Strauss eine blaue Emaille-Tafel angebracht. Der Text erinnert an den einst jüdischen Ursprung und das Ende im Nationalsozialismus: Hier befand sich von 1914 bis 1936 die / Matzenfabrik Strauß. / Die Firma hatte 1865 in Karlsruhe mit der Herstellung von / Matzen (ungesäuertem Brot) begonnen. 1936 mußte der letzte / Besitzer Semy Strauss angesichts der zunehmenden Bedrohung / durch die Nationalsozialisten emigrieren.

Die blauen Emaille-Tafeln (Höhe 26 cm, Breite 44 cm), die von der Stadt Karlsruhe seit 1989 an zahlreichen Bauten angebracht wurden, enthalten zentrale historische Informationen zur Nutzung der Gebäude oder zu mit ihnen verbundenen Ereignissen. Die Gestaltung erfolgte in Anlehnung an historische Straßenschilder. Die Textlänge der Tafeln ist sehr beschränkt. So sind auf dieser Tafel nur knappe Informationen zur jüdischen Geschichte des Gebäudes wiedergegeben.

Weiterführende Informationen

Zur Matzenfabrik Strauss:
Juden in Karlsruhe. Beiträge zu ihrer Geschichte bis zur nationalsozialistischen Machtergreifung. Herausgegeben von Heinz Schmitt unter Mitwirkung von Ernst Otto Bräunche und Manfred Koch, Karlsruhe (2) 1990 (Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Band 8). Hier Seite 505 f.

Buch zum Download (PDF)

Informationsstele zur Geschichte der ehemaligen Freiherr-von-Forstner-Kaserne

Kanalweg 52

Ansicht der Informationsstele
Ansicht der Informationsstele

Die im April 1938 im Zuge der nationalsozialistischen Remilitarisierung errichtete Kaserne diente nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ab 1945 als Rückführungslager für Zwangsarbeiterinnen und -arbeiter (Displaced Persons). Über 1.500 ehemalige Zwangsarbeiterinnen und -arbeiter sowie Zwangsverschleppte, vorrangig aus Polen, waren zeitweise in den Gebäuden untergebracht. Ab Ende der 1940er Jahre diente die Kaserne als US-Kaserne (Smiley-Barracks). Nach dem US-Truppenabzug 1995 baute die 1997 gegründete MieterInneninitiative Karlsruhe Wohnungsgenossenschaft eG (MiKa) bis 1999 vier ehemalige Gebäude zu Mietwohnungen um. 2002 folgte der Umbau des ehemaligen Stabs- und Verwaltungsgebäudes (Kanalweg 52) zu einem Kultur- und Gemeinschaftshaus, das die von der Stadtbibliothek betriebene Amerikanische Bibliothek, das Kulturhaus Mikado, das Restaurant "fünf" sowie das Büro der der MiKa beherbergt.

Die von Mitgliedern der MiKa nach dem Muster der städtischen Informationsstelen gestaltete Stele (Stahlrahmen Höhe 207 cm, Breite 50 cm mit einer 150 cm hohen Tafel) informiert neben der NS-Geschichte des Komplexes über die Nachkriegszeit und seine friedliche und soziale Konversion. Die Rückseite geht auf die von Emil Sutor geschaffene Figur "Krieger mit Schwert" am Zugang des Areals ein. Die MiKa enthüllte die Stele am 28. Juli 2018 anlässlich der 20-Jahrfeier ihrer Wohnungsgenossenschaft.

Stele zu den jüdischen Fußballern des KFV

Julius-Hirsch-Weg 2

Stele zu den jüdischen Fußballern des KFV am Julius-Hirsch-Weg 2 im Jahr 2015

Gedenktafel für die Widerstandsgruppe Weiße Rose

Otto-Wels-Straße 1

Ansicht der Gedenktafel Weiße Rose

Im seit 1964 entstandenen Stadtteil Oberreut sind zahlreiche Straßen nach Verfolgten des Nationalsozialismus und Widerstandskämpfern benannt. 1983 wurde das vom Bürgerverein Oberreut schon lange gewünschte Jugend- und Gemeinschaftszentrum eröffnet und Weiße Rose genannt. Es stellt sowohl einen Bezug auf die Straßennamen im Stadtteil her wie auf die Jugend. Die meisten Mitglieder der 1942 in München entstandenen Widerstandsgruppe Weiße Rose waren als Studierende junge Menschen.

Die Gedenktafel wurde im Oktober 1984 am Haupteingang zum Gemeinschaftszentrums angebracht. Diese 50 x 50 cm große und 8 cm tiefe Tafel aus Bronze mit Hochrelief und Ritzzeichnung mit Stahlrahmen wurde vom Karlsruher Künstlerehepaar Barbara Jäger und OMI Riesterer entworfen und angefertigt. Auch die in unmittelbarer Nähe befindliche Bürgersäule wurde von ihnen geschaffen. Der Text der Tafel lautet:

DIESES HAUS, DAS OBERREUTER / GEMEINSCHAFTSZENTRUM, TRÄGT DEN NAMEN / WEISSE ROSE / IM GEDENKEN AN DEN WIDERSTAND MÜNCHNER / STUDENTEN GEGEN DAS NATIONALSOZIALISTISCHE / REGIME IN DEN JAHREN 1942 - 1943

Weiterführende Informationen

Detlef Bald: Die Weiße Rose, Berlin 2003.

Gedenkgrabstein für die jüdischen Todesopfer der NS-Verfolgung aus Karlsruhe

Jüdischer Friedhof beim Hauptfriedhof an der Haid-und-Neu-Straße

Ansicht des Gedenkgrabsteins

Die vom Karlsruher Bildhauer Gerhard Karl Huber gestaltete gerahmte Steinplatte aus schwedischem Granit (Höhe 242 cm, Breite 281 cm, Tiefe 30 cm) listet 986 Namen ermordeter Jüdinnen und Juden aus Karlsruhe auf, die in der Zeit des Nationalsozialismus ermordet wurden oder infolge deutscher Verfolgung zu Tode kamen. Eingeleitet wird die Liste mit der hebräischen Inschrift Gedenket aller Seelen von Juden der heiligen Gemeinde der Stadt Karlsruhe, die in der Schoa ermordet wurden, gefolgt von der Formel Seine/Ihre Seele möge eingebunden sein im Bund des ewigen Lebens und der deutschen Widmung DEN VON DEN NATIONALSOZIALISTEN ERMORDETEN KARLSRUHER JUDEN ZUM GEDENKEN.

Der Gedenkgrabstein wurde anlässlich des Gedenktages für die Opfer des Nationalsozialismus am 28. Januar 2001 durch Oberbürgermeister Heinz Fenrich und die Vorsitzende der jüdischen Kultusgemeinde, Solange Rosenberg, enthüllt. Da viele der ermordeten Jüdinnen und Juden keine Gräber haben, wurde mit dem kollektiven Gedenkgrabstein ein Ort geschaffen, an dem die Angehörigen der Ermordeten beten können.

Eng verbunden mit der Aufstellung des Gedenkgrabsteins ist das Projekt "Gedenkbuch für die Karlsruher Juden". Das Gedenkbuch enthält neben den Namen der Toten Informationen zu der jeweiligen Person. Nach und nach sollen die Biografien der Toten von Karlsruher Bürgerinnen und Bürgern, von Jugendlichen oder Gruppen geschrieben und hinzugefügt werden. Mittlerweile sind Biografien von 618 Personen (Stand Januar 2021) im Gedenkbuch zu finden.

Weiterführende Informationen

Vollständige Wiedergabe der Namensliste in der Inschrift des Gedenkgrabsteins

Das Gedenkbuch für die Karlsruher Juden

Zur Verfolgung der Karlsruher Jüdinnen und Juden in der Zeit des Nationalsozialismus:
Josef Werner: Hakenkreuz und Judenstern. Das Schicksal der Karlsruher Juden im Dritten Reich, 2. Auflage Karlsruhe 1990 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs, Band 9).

Buch zum Download (PDF)

Gedenktafel der Jüdischen Gemeinde für die ermordeten Jüdinnen und Juden

Im Totenhaus des Jüdischen Friedhofs an der Haid-und-Neu-Straße

Ansicht der Gedenktafel
Ansicht der Gedenktafel

Zwei Steinplatten aus Diabas, jeweils 100 cm hoch und 61,5 cm breit, die Zierköpfe der Befestigung aus Bronze.

Die hebräische Inschrift der linken Wandtafel lautet übersetzt:
Zeilen 1-3: Der Herr wird sich erinnern an die heiligen Seelen, die gestorben sind in schlimmen Zeiten. (Erklärung: Bei "in schlimmen Zeiten" handelt es sich um eine Metapher, bei der erinnert wird an die Zeiten in denen man die Thora nicht lernen durfte.)
4. Zeile: Gott unser Herr
5. Zeile: Von Blut zu Blut (was so gut wie von Generation zu Generation bedeutet).

Die rechte Tafel zeigt oben einen Chanukkaleuchter, darunter eine deutsche Inschrift ZUR IMMERWÄHRENDEN / ERINNERUNG FÜR UNSERE / GLAUBENSBRÜDER UND / SCHWESTERN DIE IHR LEBEN / LASSEN MUSSTEN IN EINER / DER FINSTERSTEN ZEITEN / UNSERER GESCHICHTE / 1933 - 1945

Die Tafeln wurden vermutlich in den 1950er-Jahren angebracht (erster bildlicher Nachweis 1961).

Weiterführende Informationen

Das Gedenkbuch für die Karlsruher Juden

Zur Verfolgung der Karlsruher Jüdinnen und Juden in der Zeit des Nationalsozialismus:
Josef Werner: Hakenkreuz und Judenstern. Das Schicksal der Karlsruher Juden im Dritten Reich, 2. Auflage Karlsruhe 1990 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs, Band 9).

Buch zum Download (PDF)

Ehrenfeld für die Opfer der Euthanasiemorde mit der Skulptur "Tor der Schmerzen", Gedenkstein und Informationsstele

Hauptfriedhof, Feld B2

Ansicht des Ehrenfelds

Im Rahmen der von Januar 1940 bis August 1941 reichsweit durchgeführten "Euthanasie"-Aktion wurden mehr als 70.000 seelisch kranke und behinderte Menschen als "lebensunwertes Leben" in sechs Vernichtungsanstalten ermordet. Beauftragt wurde dieser Massenmord von Adolf Hitler. In den folgenden Jahren wurden zahlreiche Menschen in psychiatrischen und Pflegeeinrichtungen dezentral getötet. Aus Karlsruhe sind bisher 372 Opfer namentlich bekannt. Fast alle von ihnen wurden in den Tötungsanstalten Grafeneck (Württemberg) und Hadamar (Hessen) ermordet. Die Gesamtzahl der Karlsruher Opfer lag aber deutlich höher, da bisher nicht alle Quellen, insbesondere zu den späteren dezentralen Morden, ausgewertet werden konnten.

Um die Morde vor den Angehörigen zu verschleiern, wurden ihnen falsche Todesursachen, Todesorte und -tage mitgeteilt. Die Urnen enthielten auch nicht die Asche der Genannten.

Ansicht der Skulptur "Tor der Schmerzen"

Die Urnen mit der Asche der Karlsruher Opfer der "Euthanasie" wurden ursprünglich entweder in Familiengräbern oder auf Gräberfeldern beigesetzt. 1961, kurz vor Ablaufen der Liegefrist der Urnengräber, wandte sich ein Angehöriger mit der Bitte an die Stadt Karlsruhe, das Grab weiter zu erhalten. Daraufhin wurde 1962 das Ehrenfeld für die Opfer der "Euthanasie" angelegt. Dort war schon zuvor die Mehrzahl der Urnen beigesetzt worden, hinzu kamen nun zahlreiche Urnen, die bis dahin in Familiengräbern beigesetzt waren. Insgesamt befinden sich auf dem Ehrenfeld 290 Urnen.

1964 wurden auf dem Ehrenfeld eine Skulptur und ein Gedenkstein aus Muschelkalk für die Opfer aufgestellt, beides Werke nach Entwürfen des Karlsruher Bildhauers Carl Egler (1896-1982). Die überlebensgroße Skulptur aus Muschelkalk (Höhe 235 cm, Breite 175 cm, Tiefe 74 cm) zeigt ein trauerndes Paar, das ein "Tor der Schmerzen" bildet. Ausgeführt wurde die Skulptur von Hans Schoch.

Ansicht des Gedenksteins

Seit 2016 informiert eine Stele über das Ehrenfeld, der Text auf der Stele lautet:
GEGEN DIE MACHT DES VERGESSENS / Mindestens 250.000 seelisch kranke und behinderte / Menschen wurden 1940 - 1945 im damaligen / Deutschen Reich ermordet. In psychiatrischen Anstalten / wählten Ärzte sie wegen ihrer geringen Arbeitsleistung / und Nützlichkeit aus. Inzwischen wissen wir: / mindestens 450 davon waren Karlsruherinnen und / Karlsruher; die meisten wurden 1940 - 1941 in den / Vernichtungsanstalten Grafeneck und Hadamar / umgebracht. / Das Ziel war Kostenersparnis und ein "gesunder / Volkskörper". / 1941 - 1945 ging die "Vernichtung lebensunwerten / Lebens" weiter mit geplantem Sterben durch Verhungern / und durch menschenverachtende Experimente. / All dies wurde lange verschwiegen.

Zur Geschichte der Ehrenanlage B 2 / Die Asche der im Rahmen der "Euthanasie-Aktion" T4 / ermordeten Patientinnen und Patienten wurde an die / Friedhöfe der Heimatorte geschickt. In Karlsruhe wurden / die Urnen 1962 auf dem Ehrenfeld B 2 zusammengeführt. / 1964 wurden auf dem Ehrenfeld das Mahnmal / "Tor der Schmerzen" sowie wenige Meter / davon entfernt ein Gedenkstein mit der Inschrift / DU SOLLST NICHT TÖTEN / 1933 1945 / HIER RUHEN 289 OPFER DES UNRECHTS / nach Entwürfen von Carl Egler errichtet. / Inzwischen wissen wir, dass noch mehr Karlsruherinnen / und Karlsruher umgebracht wurden. Diese Ehrenanlage / gilt auch ihrem Gedenken.

Beim Ehrenfeld findet jährlich am Totensonntag die Gedenkveranstaltung für die Opfer des Faschismus statt, die von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) ausgerichtet wird und an der sich bis zu 20 Organisationen beteiligen.

Weiterführende Informationen

Texte zu den Ereignissen und eine Liste der Karlsruher Opfer, soweit sie bisher ermittelt werden konnten, enthält das Buch: Gegen die Macht des Vergessens. Gedenkbuch für die Karlsruher Euthanasie-Opfer der Aktion T4. Herausgegeben von der DGSP-Gruppe Karlsruhe und dem Stadtarchiv Karlsruhe durch Maria Rave-Schwank. Karlsruhe, Bretten 2020.

Einen ersten knappen Überblick bietet:
Volker Steck: Nationalsozialismus und "lebensunwertes Leben" - Karlsruher Aspekte, in: Blick in die Geschichte 97 (14. Dezember 2012).

Link zum Artikel

Artikel im Stadtlexikon zur Skulptur "Tor der Schmerzen"

Ehrengräberfeld mit Gedenkstein für sowjetische und polnische Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter

Hauptfriedhof, Feld 23

Ansicht des Gräberfelds

Im Feld 23 befinden sich 118 Gräber von Zwangsarbeiterinnen und -arbeitern aus der Sowjetunion und Polen aus den Jahren 1943 bis 1947. 1954 gestaltete die Stadt die Gräber gemäß dem "Gesetz über die Erhaltung der Gräber der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft" (Kriegsgräbergesetz) von 1952 zum Ehrengräberfeld um. Auf den Gräbern stehen 113 mit den Namen versehene einheitliche Kreuze aus rotem Sandstein. Fünf weitere Gräber erhielten individuelle Grabsteine/-kreuze.

Ansicht des Gedenksteins

Außerdem wurde dort ein Gedenkstein für die Opfer in Form eines Obelisken aus rotem Sandstein errichtet (Höhe 167 cm, Breite und Tiefe 80 cm). Seine Inschrift lautet FLIEGER / OPFER / RUSSISCHER / U. PONISCHER / NATION / 1939 - 1945. Der Entwurf des Ehrenmals stammt vom Stadtplanungsamt Karlsruhe. Die Todesdaten bis 1947 verweisen darauf, dass dort nicht nur Luftkriegsopfer bestattet sind, sondern auch nach Kriegsende verstorbene Zwangsarbeiterinnen und -arbeiter, die noch nicht in ihre Heimatländer zurückgekehrt oder in andere Länder ausgewandert waren.

Weiterführende Informationen

Jürgen Schuhladen-Krämer: Zwangsarbeit in Karlsruhe. Ein unbekanntes Kapitel Stadtgeschichte, Karlsruhe 1997 (Forschungen und Quellen zur Stadtgeschichte. Schriftenreihe des Stadtarchivs Karlsruhe Band 3).

Buch zum Download (PDF)

Ehrengräberfeld mit Gedenktafel und Denkmal für sowjetische Zwangsarbeiterinnen und -arbeiter

Hauptfriedhof, beim Jüdischen Friedhof (Zugang durch den Eingang zum Jüdischen Friedhof)

Ansicht des Gräberfelds

Auf dem Gräberfeld wurden ab 1941 sowjetische Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene beigesetzt, darunter mindestens 20 Personen, die im Arbeitserziehungslager in Karlsruhe umgekommen sind oder ermordet wurden. Neben diesen Einzelgräbern wurden nach dem Luftangriff vom 9. August 1944 in einem Sammelgrab ausländische Gefangene und deutsche Begleitmannschaften eines Eisenbahntransports beerdigt.

Im Juni/Juli 1945 wurde das Gräberfeld als Rasenfeld angelegt und auf Betreiben eines in der Forstner-Kaserne stationierten russischen Offiziers mit Stein- und Holzkreuzen ausgestattet. Er sorgte auch dafür, dass ein von der Friedhofsverwaltung beschafftes Gedenkkreuz aus Muschelkalk (Höhe 220 cm, Breite 66 cm) mit einer kyrillischen Inschrift versehen wurde. Diese Inschrift findet sich in deutscher Übersetzung auf einer später angefertigten Bodenplatte (Höhe 50 cm, Breite 70 cm), die vor dem Kreuz platziert wurde: EWIGES GEDENKEN / DEN SOWJETISCHEN BÜRGERN / DEN OPFERN DES FASCHISMUS / DIE FASCHISTEN MÖGEN WISSEN / DASS NICHT EIN EINZIGER AKT / IHRER GREUELTATEN / UNBESTRAFT BLEIBEN WIRD / 1941 - 1945

Ansicht der Inschrift des Steinkreuzes
Ansicht der Inschrift der Bodenplatte

1954 gestaltete die Stadt die 94 Gräber gemäß dem "Gesetz über die Erhaltung der Gräber der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft" von 1952 zum Ehrengräberfeld um. Dabei wurden die Kreuze auf den Gräbern von der Stadt einheitlich durch Kreuze aus Rotsandstein ersetzt. Außerdem wurde an der nahegelegenen Friedhofsmauer eine Gedenktafel (Höhe 68 cm, Breite 105 cm) aus rotem Sandstein mit der Inschrift HIER RUHEN / FLIEGEROPFER / RUSSISCHER / NATION / 1939 - 1945 angebracht.

Ansicht der Gedenktafel

Weiterführende Informationen

Jürgen Schuhladen-Krämer: Ein Gräberfeld für Zwangsarbeiter, in: Blick in die Geschichte 113 vom 16. Dezember 2016

Link zum Artikel

Jürgen Schuhladen-Krämer: Zwangsarbeit in Karlsruhe. Ein unbekanntes Kapitel Stadtgeschichte, Karlsruhe 1997 (Forschungen und Quellen zur Stadtgeschichte. Schriftenreihe des Stadtarchivs Karlsruhe Band 3).

Buch zum Download (PDF)

Ehrengräberfeld für Zwangsarbeiterinnen und -arbeiter verschiedener Nationen

Hauptfriedhof, Feld 54

Ansicht des Standkreuzes

Auf dem Gräberfeld wurden 110 Personen aus verschiedenen Herkunftsländern bestattet, die bis 1947 in Karlsruhe starben. 1954 gestaltete die Stadt das Gräberfeld gemäß dem "Gesetz über die Erhaltung der Gräber der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft" (Kriegsgräbergesetz) von 1952 zum Ehrengräberfeld um. Die Gräber erhielten aufgrund zu kleiner Grabflächen anders als auf den anderen Ehrengräberfeldern anstelle von Sandsteinkreuzen kleine liegende Grabtafeln aus rotem Sandstein. Außerdem wurde am Gräberfeld ein Hochkreuz aus Eichenholz errichtet. Dieses wurde 1984 durch ein Standkreuz aus Granit (Höhe 130 cm, Breite 58 cm) ersetzt. Es trägt die Inschrift HIER RUHEN / KRIEGSOPFER / VERSCHIEDENER / NATIONEN.

Weiterführende Informationen

Jürgen Schuhladen-Krämer: Zwangsarbeit in Karlsruhe. Ein unbekanntes Kapitel Stadtgeschichte, Karlsruhe 1997 (Forschungen und Quellen zur Stadtgeschichte. Schriftenreihe des Stadtarchivs Karlsruhe Band 3).

Buch zum Download (PDF)

Ehrengrab für Ludwig Marum mit Gedenkstein für Elisabeth Marum-Lunau

Hauptfriedhof, seitlich der Parterre-Anlage 92-94

Ansicht der Beisetzung der Urne von Ludwig Marum

Ludwig Marum (1882-1934), Rechtsanwalt, Landtags- und Reichstagsabgeordneter der SPD und badischer Minister war jüdischer Herkunft und ein scharfer Gegner der Nationalsozialisten. Diese ließen ihn nach der NS-Machtübernahme am 10. März 1933 verhaften und am 16. Mai 1933 in einer inszenierten Schaufahrt in das Konzentrationslager Kislau überführen. Dort wurde er am 29. März 1934 ermordet. Die Urne mit seiner Asche gelangte mit der Familie Marum auf der Flucht vor den Nationalsozialisten bis in die USA.

1983 nahm seine Tochter Elisabeth Kontakt mit der Stadt Karlsruhe auf und bat darum, die Urne in Karlsruhe beizusetzen. Die Stadt stellte daraufhin ein Ehrengrab zur Verfügung. Am 29. März 1984, 50 Jahre nach seiner Ermordung, wurde die Urne mit der Asche Ludwig Marums in diesem Ehrengrab auf dem Hauptfriedhof beigesetzt.

Ansicht des Ehrengrabs für Ludwig Marum
Ansicht des Gedenksteins für Elisabeth Marum-Lunau

Den Grabstein entwarf der Karlsruher Bildhauer Karl Huber, zur Symbolik des Steins führte er aus: "Die Form des Grabmals kann sowohl als Tor als auch als Brücke empfunden werden; beides schafft verbindende Wirkungen, die Möglichkeit für Begegnungen. Die anpolierte Bronze im Zentrum des Grabmals stilisiert die Persönlichkeit des Toten, zeugt von seiner Ausstrahlung und Wirkung im Leben, die sich in Wellenbewegungen im Stein fortentwickelt. Die Bruchlinie im Stein erinnert an den gewaltsamen Tod."

 

Die Inschrift des Grabsteins aus rotem Sandstein lautet LUDWIG / MARUM / GEBOREN / AM 5. NOV. 1882 / IN FRANKENTHAL / ERMORDET / AM 29. MÄRZ 1934 / IM KONZENTRATIONS- / LAGER KISLAU

Im Ehrengrab wurden 1996 auch die Urne seiner Frau Johanna und 1998 die seiner Tochter Elisabeth Marum-Lunau beigesetzt. Während für Johanna Marum eine ergänzende Inschrift auf dem Grabstein angebracht wurde (JOHANNA / MARUM / GEB. 3. MAI 1886 / GEST. 13. NOV. 1964), wurde für Elisabeth Marum-Lunau eine Bodenplatte aus rotem Sandstein vor dem Grabstein platziert. Die Inschrift lautet ERINNERN / VERSÖHNEN / MAHNEN / ELIZABETH / MARUM-LUNAU / GEB. 1. SEPT. 1910 / IN KARLSRUHE / GEST. 5. JUNI 1998 / IN NEW YORK

Weiterführende Informationen

Artikel im Stadtlexikon zu Ludwig Marum

Artikel im Stadtlexikon zu Elisabeth Marum-Lunau

Literatur zu Ludwig Marum

Monika Pohl: Ludwig Marum. Ein Sozialdemokrat jüdischer Herkunft und sein Aufstieg in der badischen Arbeiterbewegung 1882-1919, Karlsruhe 2003 (Forschungen und Quellen zur Stadtgeschichte. Schriftenreihe des Stadtarchivs Karlsruhe Band 8).

Monika Pohl: Ludwig Marum. Gegner des Nationalsozialismus. Das Verfolgungsschicksal eines Sozialdemokraten jüdischer Herkunft, Karlsruhe 2013 (Forschungen und Quellen zur Stadtgeschichte. Schriftenreihe des Stadtarchivs Karlsruhe Band 13).

Ludwig Marum. Das letzte Jahr in Briefen. Der Briefwechsel zwischen Ludwig Marum und Johanna Marum (7. März 1933 - 14. Mai 1933). Ludwig Marums Briefe aus dem konzentrationslager Kislau (16. Mai 1933 - 7. März 1934). Ausgewählt und bearbeitet von Elisabeth Marum-Lunau und Jörg Schadt. Für die Neuausgabe ausgewählt und bearbeitet von Andrée Fischer-Marum. Herausgegeben von den Stadtarchiven Karlsruhe und Mannheim, Karlsruhe 2016.

Ehrengrab für Adam Remmele

Hauptfriedhof, seitlich der Parterre-Anlage 89-91

Ansicht des Ehrengrabes

Adam Remmele (1877-1951) war Konsumgenossenschafter, Sozialdemokrat, Mitglied des Landtags von Baden und des Reichstags sowie Minister und Staatspräsident in Baden. Remmele, ein aktiver Gegner der Nationalsozialisten, wurde nach der NS-Machtübernahme am 4. Mai 1933 in Hamburg verhaftet und wenige Tage darauf in das Karlsruher Gefängnis überführt. Von dort brachte man ihn und sechs weitere Sozialdemokraten am 16. Mai in einer Schaufahrt auf einem offenen LKW in das Konzentrationslager Kislau. Der Weg führte durch die Karlsruher Innenstadt, wo sich aus diesem Anlass zahlreiche Gafferinnen und Gaffer versammelt hatten. Bis März 1934 wurde er im KZ gefangen gehalten, während dieser Zeit starb seine Frau Philippine, die ebenfalls im Ehrengrab beerdigt ist. Nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 wurde Remmele für mehrere Wochen im KZ Fuhlsbüttel inhaftiert. 1948 erhielt Remmele die Ehrenbürgerwürde der Stadt Karlsruhe, nach seinem Tod am 9. September 1951 wurde er in einem Ehrengrab beigesetzt.

Der Grabstein trägt die Inschrift EIN SOHN DES / VOLKES / WOLLT ER SEIN / ADAM / REMMELE / * 26. 12. 1877 / + 9. 9. 1951 / PHILIPPINE / REMMELE / * 1. 11. 1880 / + 27. 6. 1933

Das einleitende Zitat entstammt der dritten Strophe des Liedes "Ein Sohn des Volkes will ich sein und bleiben!" von Heinrich Pfeil, das in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts im Arbeitermilieu sehr bekannt und ein Lieblingslied Adam Remmeles war.

Weiterführende Informationen

Günter Wimmer: Adam Remmele. Ein Leben für die soziale Demokratie, Ubstadt-Weiher u.a. 2009.

Gedenkstein für Reinhold Frank

Hauptfriedhof, an der Rintheimer Mauer

Ansicht des Gedenksteins

Der Rechtsanwalt Reinhold Frank (1896-1945) verteidigte während des "Dritten Reichs" Gegnerinnen und Gegner der Nationalsozialisten und gehörte zu einer Karlsruher Widerstandsgruppe. Über Carl Friedrich Goerdeler erhielt er Kontakt zu Berliner Widerstandskreisen und stellte sich für die Zeit nach dem geplanten Umsturz als politischer Beauftragter für Baden zur Verfügung. Nach dem Scheitern des Attentats auf Hitler am 20. Juli 1944 wurde Frank verhaftet, vor dem Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und am 23. Januar 1945 in Berlin-Plötzensee hingerichtet. Sein Leichnam wurde der Familie nicht übergeben, die Veröffentlichung einer Traueranzeige verboten. So erhielt Reinhold Frank kein Grab.

Um einen Ort des Gedenkens an Reinhold Frank zu schaffen, wurde am 23. Juli 1996, am 100. Geburtstag Reinhold Franks, eine Gedenkstätte mit einem vom Karlsruher Bildhauer Gerhard Karl Huber entworfenen Gedenkstein aus Diabas (Höhe 161 cm, Breite 50,5 cm) eingeweiht. Seine Inschrift lautet:

AUS CHRISTLICHEM GLAUBEN / FÜR MENSCHENWÜRDE / UND FREIHEIT / REINHOLD / FRANK / GEBOREN / AM 23. JULI 1896 / HINGERICHTET / AM 23. JANUAR 1945 / IN BERLIN-PLÖTZENSEE / IM WIDERSTAND GEGEN / NATIONALSOZIALISTISCHES / UNRECHT

Weiterführende Informationen

Artikel im Stadtlexikon zu Reinhold Frank

Stele zur Deportation der Jüdinnen und Juden am 22. Oktober 1940

Bahnhofsplatz

Stele zur Deportation der Jüdinnen und Juden am Bahnhofplatz im Jahr 2015

Blaue Informationstafel zur Deportation der Jüdinnen und Juden nach Gurs

Hauptbahnhof, östlicher Gebäudeteil

Ansicht der Informationstafel

Am 22. Oktober 1940 diente der Osteingang des Hauptbahnhofs, der "Fürstenflügel", als Sammelpunkt der zur Deportation in das unbesetzte Frankreich vorgesehenen Karlsruher Jüdinnen und Juden. Zur Erinnerung daran wurde am Ostflügel des Hauptbahnhofs eine blaue Emaille-Informationstafel angebracht.

Insgesamt über 6.500 Menschen aus Baden, Pfalz und Saarland wurden in dem im Jahr zuvor für spanische Bürgerkriegsflüchtlinge errichtete Barackenlager bei Gurs am Nordrand der Pyrenäen interniert. Viele der Deportierten starben während dieser Internierung oder wurden später in Vernichtungslagern ermordet.

Der Text der Informationstafel (Höhe 26 cm, Breite 44 cm), die am 22. Oktober 2000, dem 60. Jahrestag der Deportation, enthüllt wurde, lautet:

Die Deportation von 945 jüdischen Karlsruherinnen und Karlsruhern nach Gurs / durch die Nationalsozialisten begann am 22. Oktober 1940 auf diesem Bahnhofsplatz. / Mit der Deportation aller Juden aus Baden, der Pfalz und dem Saarland verloren am glei- / chen Tag über 6500 Menschen ihre Heimat und später zum größten Teil auch das Leben. / 210 der aus Karlsruhe Deportierten starben in Gurs und anderen südfranzösischen La- / gern. 345 gelang die Flucht und Emigration. 390 kamen 1942 in die Konzentrationslager / Auschwitz, Majdanek oder Theresienstadt und wurden ermordet.

Die blauen Emaille-Tafeln, die von der Stadt Karlsruhe seit 1989 an zahlreichen Bauten angebracht wurden, enthalten zentrale historische Informationen zur Nutzung der Gebäude oder zu mit ihnen verbundenen Ereignissen. Die Gestaltung erfolgte in Anlehnung an historische Straßenschilder.

Weiterführende Informationen

Artikel zur Deportation 1940 im Stadtlexikon Karlsruhe

Zur Verfolgung der Karlsruher Jüdinnen und Juden in der Zeit des Nationalsozialismus:
Josef Werner: Hakenkreuz und Judenstern. Das Schicksal der Karlsruher Juden im Dritten Reich, 2. Auflage Karlsruhe 1990 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs, Band 9).

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Blaue Informationstafel zum "Braunen Haus"

Ritterstaße 28-30

Ansicht der Informationstafel

1993 wurde am Gebäude des ehemaligen "Braunen Hauses" eine blaue Emaille-Tafel angebracht. Die Inschrift lautet: 1933 bis 1945 war dieses Haus / Sitz der NSDAP- Gauleitung Baden. / Die Karlsruher nannten es / Das Braune Haus. / Hier befand sich eine Abteilung der geheimen Staatspolizei, / in der Regimegegner bei Verhören mißhandelt wurden. / Das geschah auch in der Gestapo-Hauptstelle / in der heutigen Ebertstraße 26.

Die blauen Emaille-Tafeln (Höhe 26 cm, Breite 44 cm), die von der Stadt Karlsruhe seit 1989 an zahlreichen Bauten angebracht wurden, enthalten zentrale historische Informationen zur Nutzung der Gebäude oder zu mit ihnen verbundenen Ereignissen. Die Gestaltung erfolgte in Anlehnung an historische Straßenschilder. Die Textlänge der Tafeln ist sehr beschränkt. So ist auf dieser Tafel ist nur der historische Abschnitt seiner Nutzung während der NS-Zeit wiedergegeben.

Weiterführende Informationen

Artikel zur Geheimen Staatspolizei Karlsruhe (Gestapo) im Stadtlexikon Karlsruhe

Michael Stolle: Die Geheime Staatspolizei in Baden. Personal, Organisation, Wirkung und Nachwirken einer regionalen Verfolgungsbehörde im Dritten Reich, Konstanz 2001.

Erinnerungstafel für die Zwangsarbeiterinnen und -arbeiter in Karlsruhe

Zentrum für Kunst und Medien (ZKM), rechts neben dem Haupteingang

Ansicht der Erinnerungstafel

Seit 1997 sind das Zentrum für Kunst und Medien, die Hochschule für Gestaltung und die Städtische Galerie Karlsruhe im Hallenbau A der ehemaligen Deutschen Waffen- und Munitionsfabriken AG (DWM) untergebracht. Während des Zweiten Weltkriegs mussten hier über 4.500 aus ihrer Heimat, in den meisten Fällen aus der Sowjetunion und Polen, verschleppte Frauen und Männer Zwangsarbeit verrichten. In ganz Karlsruhe mussten mehr als 17.000 Menschen oft unter menschenunwürdigen Umständen Zwangsarbeit leisten.

Am 15. Oktober 1997 wurde zur Erinnerung daran eine Schrifttafel aus Bronze, die an einer Gruppe von senkrecht in den Boden eingelassenen Doppel-T-Trägern aus Stahl befestigt ist (Gestalter: Tomáš Jungvirt), durch Oberbürgermeister Dr. Gerhard Seiler in Anwesenheit von ehemaligen Zwangsarbeiterinnen und -arbeitern enthüllt.

Die Inschrift der Tafel lautet:
IN DER EHEMALIGEN WAFFEN- / UND MUNITIONSFABRIK AUF DIE- / SEM GELÄNDE UND AN VIELEN / ANDEREN STELLEN IN DER STADT / WAREN IM ZWEITEN WELTKRIEG / MEHR ALS 17.000 ZWANGSARBEI- / TERINNEN UND ZWANGSARBEITER / EINGESETZT. EIN DRITTEL WAREN / FRAUEN. 12.000 STAMMTEN AUS / OSTEUROPA. AUS IHRER HEIMAT / VERSCHLEPPT, WURDE IHRE AR- / BEITSKRAFT VON DER KRIEGSWIRT- / SCHAFT AUSGEBEUTET. MEHR ALS / 600 VON IHNEN FANDEN IN KARLS- / RUHE DEN TOD. DEN OPFERN ZUM / GEDENKEN. DEN LEBENDEN ALS / MAHNUNG, ZUR BEWAHRUNG DES / FRIEDENS, DER MENSCHENWÜR- / DE UND DER FREIEN SELBST- / BESTIMMUNG ALLER MENSCHEN.

Weiterführende Information

Jürgen Schuhladen-Krämer: Zwangsarbeit in Karlsruhe. Ein unbekanntes Kapitel Stadtgeschichte, Karlsruhe 1997 (Forschungen und Quellen zur Stadtgeschichte. Schriftenreihe des Stadtarchivs Karlsruhe Band 3).

Buch zum Download (PDF)

Erinnerungsstele für die hingerichteten Widerstandskämpfer der Réseau Alliance

Theodor-Heuss-Allee / Ecke Breslauer Straße

Stele zu Réseau Alliance an der Theodor-Heuss-Allee/Breslauer Straße im Jahr 2014

Kommentierende Erinnerungsstele zum Denkmal der 35. Infanterie-Division

Grünanlage Nördliche Hildapromenade / Ecke Kochstraße

Stele als Kommentierung des Ehrenmals der 35. Infanterie-Division am Grünstreifen zwischen Südlicher und Nördlicher Hildapromenade beim Haydnplatz/Ecke Kochstraße im Jahr 2016

Gedenktafel für Dr. Helmuth Klotz

Helmholtz-Gymnasium, Foyer im 1.OG, Kaiserallee 6

Ansicht der Gedenktafel

Im Helmholtz-Gymnasium erinnert eine Gedenktafel aus Kalkstein (Höhe 60 cm, Breite 55 cm) an den ehemaligen Schüler Helmuth Klotz (1894-1943), der 1943 als politischer Gegner der Nationalsozialisten hingerichtet wurde.

Die Inschrift der Tafel lautet: Zum Gedenken an / Dr. Helmuth Klotz (1894-1943) / Helmholtzschüler (Abitur 1912), / der nach dem Ersten Weltkrieg als / Marineoffizier zum engen Kreis / Hitlers stieß, 1924 nach der Haftent- / lassung aus Landsberg zu seinem / erbittertsten Gegner wurde, 1933 / nach Frankreich ins Exil musste, / 1940 ausgeliefert und 1943 in Berlin- / Plötzensee hingerichtet wurde.

Weiterführende Informationen

Biografie von Helmuth Klotz auf leo bw – Landeskunde entdecken online

Herbert Linder: Von der NSDAP zur SPD. Der politische Lebensweg des Dr. Helmuth Klotz (1894-1943), Konstanz 1998 (Karlsruher Beiträge zur Geschichte des Nationalsozialismus Band 3).

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